Freitag, 8. Dezember 2023

Die Sonne als Zeichen der Hoffnung

Impuls zum Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, Freitag, 8. Dezember 2023

 


O klare Sonn, du schöner Stern,
dich wollten wir anschauen gern;
o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein
in Finsternis wir alle sein.

In dieser Strophe verändert sich die Stimmung. Sonne und Stern sind Zeichen der Hoffnung, deshalb sehen wir sie gerne (“wollten” wird hier im Konjunktiv, nicht in der Vergangenheitsform verwendet). In der finsteren Zeit, im Winter, wird bewusst, wie wichtig das Licht der Sonne für das Leben ist, für das Wachsen der Pflanzen, die körperliche Gesundheit und das seelische Wohlbefinden. Der Glaube hat eine ähnliche Bedeutung für das menschliche Leben. Er gibt Orientierung und Halt aus der Erfahrung, dass ich von Gott angesprochen bin. So wie das Licht der Sonne manchmal fehlt, ist auch der Halt durch den Glauben an Gott nicht immer spürbar, weil andere Eindrücke viel drängender sind. Umso wichtiger ist es, bewusst zu glauben und den Glauben aktiv zu leben, in Gebet und Feier, in der Kirche, der Gemeinschaft, der Familie oder alleine. Gottesdienste stärken dazu, den Glauben im Alltag zu verwirklichen. Das geschieht durch Begegnungen mit anderen, ein gutes Wort für die, die es brauchen, Hilfestellungen oder ein wenig Zeit für Verwandte, Freunde, Bekannte, die mich brauchen. Adventlich leben bedeutet, bewusst den Glauben als Zeichen der Hoffnung zu leben.

Donnerstag, 7. Dezember 2023

Trost in einer scheinbar hoffnungslosen Welt

Impuls zum Donnerstag der 1. Adventswoche, 7. Dezember 2023

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm, tröst uns hier im Jammertal.

Diese Strophe beginnt mit der Frage: Wo bleibt der Trost? Trost scheint nicht sehr attraktiv zu sein. Er bietet keine Lösungen, gibt den Menschen nicht mehr Freiheit, schafft keine neue Ordnung. Wenn Kinder weinen, werden sie getröstet. Aber was vermag Erwachsene zu trösten, wenn Situationen aussichtslos scheinen? Wer kann Trost in einer Welt geben, die ein “Jammertal” ist? In den prophetischen Texten der Bibel ist jene Zeit gemeint, als ein großer Teil der Israeliten in Babylon im Exil leben musste. Viele Menschen leben heute in dieser Situation, vertrieben aus dem eigenen Land durch Kriege, Ungerechtigkeit oder Katastrophen. Trösten kann sie nur Menschlichkeit, die ihnen in ihrer Not begegnet. Das gilt auch für die, deren Lebensentwürfe plötzlich nicht mehr funktionieren, weil sie ihre Arbeit verlieren, trotz Arbeit in wirtschaftliche Not kommen, krank werden, weil liebe Menschen sterben, Familien zerbrechen, Freundschaften enden. In der Kirche erleben wir, dass die alten Strukturen nicht mehr funktionieren, weil sich nicht mehr genug Menschen einbringen wollen oder können. Das gilt auch für andere Vereinigungen und Gruppen. In Theologie und Verkündigung ist der Begriff Jammertal nicht modern, und doch wird sehr viel gejammert. Das kann ein Ausdruck von Hilflosigkeit oder Bequemlichkeit sein, die echte Not dahinter wird mitunter zugedeckt. Trost nimmt Leid und Elend ernst und schaut trotzdem auf das Gute. Adventlich leben bedeutet, Trost zuzulassen und anderen, die ihn brauchen, selbst Trost zu geben.


Mittwoch, 6. Dezember 2023

Wachstum schenkt Hoffnung

Impuls zum Mittwoch der 1. Adventswoche, 6. Dezember 2023

O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd,
dass Berg und Tal grün alles werd.
O Erd, herfür dies Blümlein bring,
o Heiland, aus der Erden spring.

Die nächste Strophe schließt an die vorige und nimmt den Jesajavers (45,8) weiter auf: “Die Erde tue sich auf und bringe das Heil hervor, sie lasse Gerechtigkeit sprießen” (Jes 45,8). Der Tau, der vom Himmel kommt, bringt die Erde zum Blühen. Mitten im Winter schauen wir auf den Frühling, wo wieder alles wächst, der Boden Nahrung gibt. Blumen und Blüten sind Zeichen der Erneuerung und der Hoffnung. Der Heiland wird von Jesaja als ein Zweig, ein Reis am “Baumstumpf Isais” bezeichnet (vgl. Jes 11,1). Aus dem Stamm David, der Isais Sohn ist, wird einer kommen, der die Erneuerung bringt. Der Heiland ist einer von uns, ein Mensch, der die ganze Menschheit stärkt. Gott will nicht das Alte beenden und durch etwas Anderes ersetzen. Das Gute ist schon da, auf vielerlei Weise. Die Erneuerung gelingt, wenn wir das Gute im eigenen Leben sehen und auch das viele Gute würdigen, das rings um uns herum passiert. So ist der Advent zurecht eine Zeit, wohltätig zu handeln, an humanitären Aktionen mitzuwirken und Gutes zu tun. Adventlich leben bedeutet, das Gute zu sehen, das schon da ist und den Weg zur Erneuerung weist.


Dienstag, 5. Dezember 2023

Der wertvolle Tau

Impuls zum Dienstag der 1. Adventswoche, 5. Dezember 2023

O Gott, ein’ Tau vom Himmel gieß,
im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus
den König über Jakobs Haus.

Wie wertvoll ist der Tau, der am Morgen die Wiesen und Felder benetzt. Die Klimakrise ist spürbar, es ist entweder zu trocken und zu heiß, oder Regen fällt in großen Mengen, so dass Überschwemmungen die Folge sind. Unwetter und Hagel nehmen zu. In dieser Strophe wird auf die Dürre Bezug genommen. Wenn die Erde ausgetrocknet ist, muss der Regen umso langsamer und dosierter kommen, bevor die Wolken ihre Schleusen öffnen, damit die fruchtbare Erde nicht weggeschwemmt wird. Da ist der Tau eine Wohltat. Die Strophe nimmt Bezug auf eine Stelle bei Jesaja: “Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen!” (Jes 45,8). Die Welt braucht zur Erneuerung Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Verständnis füreinander. Das Volk Israel sehnt sich nach einem gerechten König, der all diese Tugenden wieder aufleben lässt. Bis heute ist diese Sehnsucht nach Gerechtigkeit aktuell, denn nur ein gerechter, wertschätzender und verständnisvoller Umgang miteinander, der Menschen mit ihren Nächsten, der verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft untereinander, der Völker und Nationen kann Frieden möglich machen. Adventlich leben bedeutet, den Anderen wertschätzend und gerecht zu begegnen, damit Friede schon im Kleinen möglich ist.


Montag, 4. Dezember 2023

O Heiland, reiß die Himmel auf

Impuls zum Montag der 1. Adventswoche, 4. Dezember 2023

 

O Heiland, reiß die Himmel auf,
herab, herab vom Himmel lauf,
reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
reiß ab, wo Schloss und Riegel für.

Das Lied beginnt in einer düsteren Stimmung. Der Himmel ist verfinstert. Nach der Schöpfungserzählung im Buch Genesis spannt er sich über die Erde aus und wird zum bergenden Raum, der Leben ermöglicht. Das wird erfahrbar, wenn die Sonne scheint oder Regen fällt. Wenn der Himmel verschlossen ist, schwindet die Hoffnung und eine dunkle, lebensfeindliche Stimmung macht sich breit. In dieser Situation rufen wir flehentlich den Erlöser an. Das “o” zu Beginn der Strophe, das noch öfter wiederholt wird, erinnert an die O-Antiphonen, die in den letzten Tagen vor dem Weihnachtsfest gesungen werden. Sie handeln davon, dass Gott immer wieder seinem Volk geholfen hat. Deshalb bitten wir um sein Kommen im Bewusstsein, dass er nahe ist und hilft. Die erste Strophe wendet sich an den Heiland, von dem nicht gesagt wird, wer er ist: Öffne uns den Himmel! Mache zugänglich, was jetzt noch verschlossen ist! Es ist eine Bitte um Erneuerung. Der Blick nach vorne ändert unsere Grundstimmung. Auch wenn jetzt vieles düster erscheinen mag, wissen wir, dass Gott den Himmel wieder öffnet und das Gute, das uns jetzt von “Schloss und Riegel” zurückgehalten wird, sich verwirklicht. Adventlich leben bedeutet, den Blick nach vorne richten und sich nicht von der düsteren Stimmung unserer Zeit überwältigen zu lassen.

Sonntag, 3. Dezember 2023

Der Platz des Torwächters

Impuls zum Ersten Adventsonntag, 3. Dezember 2023


In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Gebt Acht und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen: Er übertrug die Vollmacht seinen Knechten, jedem eine bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen. Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam! (Mk 13, 33–37)

Diese Stelle aus dem Evangelium ist nicht beruhigend. Jesus legt uns nahe, die Stelle des Torwächters einzunehmen. Er muss Tag und Nacht wachsam sein. Sein Schlaf ist leicht, kann jederzeit gestört werden. Er hat seinen wichtigen Platz gleich beim Tor, ist der erste, dem die Gäste begegnen und der erste, der mit Problemen konfrontiert wird. Glauben ist nicht immer gemütlich, sondern manchmal anspruchsvoll und aufregend. Der Glaube kann sich nicht auf den eigenen Erfolgen ausruhen, sondern muss nach vorne blicken. Adventlich leben bedeutet, jederzeit bereit zu sein, Christus zu begegnen.


Samstag, 2. Dezember 2023

Der Blick nach vorne

Impulse zum Advent 2023


Advent, die angeblich stillste Zeit im Jahr, ist geprägt von Trubel, Veranstaltungen, Märkten, Punschständen und der Sehnsucht nach einem gelungenen, ruhigen Familienfest. Doch der ursprüngliche Charakter dieser Zeit ist anders. Das zeigen auch die Bibelstellen, die heute in der adventlichen Liturgie gelesen werden. Im Vordergrund stehen die Erwartung der Erlösung und die Wiederkunft Christi. Advent ist eine Zeit der Hoffnung. Die Vorstellungen vertrösten nicht auf ein fernes Jenseits, wo alles besser sein soll, damit wir die Gegenwart leichter ertragen. Christliche Hoffnung verändert die Gegenwart, weil sie in der jetzigen Zeit einen Ausblick gibt und Wege zum Guten zeigt. Gerade heute, wo so viele Krisen die Menschen belasten, brauchen wir den Blick nach vorne besonders dringend. Die Botschaft des Advents ist besonders aktuell.

In den kleinen Impulsen zu den einzelnen Tagen im Advent werde ich aus den Bibelstellen der Liturgie und dem reichen Schatz der Kirchenlieder zum Advent einige Gedanken vorstellen, die dabei helfen sollen, als adventliche Menschen zu leben.