Samstag, 21. März 2026

Das Wesentliche sehen

Samstag der 4. Fastenwoche, 21. März 2026

Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die nicht Sehenden sehen und die Sehenden blind werden. Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde. (Joh 9,35–41)

Nachdem er wieder sehen kann, hat sich der Mann in der Diskussion auf die Seite Jesu gestellt. Jetzt ist nur noch ein Schritt notwendig, damit sein neues Leben beginnen kann. Als er Jesus wieder trifft, sprechen sie über den Glauben, er fällt auf die Knie und glaubt an Jesus. Er hat mit den Augen sehen gelernt und mit dem Herzen. Es gibt so viel Blindheit in der Welt und oft auch im eigenen Leben. Wer Jesus begegnet, lernt auf neue Art das zu sehen, was für das Leben wesentlich ist. Die Erzählungen von den Blindenheilungen in den Evangelien sind eindrucksvolle Glaubensgeschichten. Die Vierzig Tage sind eine Einladung, wieder selbst sehend zu werden.

Freitag, 20. März 2026

Auf Jesu Seite stehen

Freitag der 4. Fastenwoche, 20. März 2026

Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. Der Mensch antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. (Joh 9,28–35)

Weil der von der Blindheit geheilte Mann vorsichtig bleiben und sich nicht gegen Jesus stellen will, greifen die Pharisäer jetzt ihn an. Sie sehen sich im Recht, wenn sie sich auf das Gesetz des Mose berufen. Das ist ihre Sicherheit. Der Mann aber sagt: Wenn Jesus mir die Augen geöffnet hat, dann kann er doch kein Sünder sein. Damit stellt er sich auf die Seite Jesu, der sich zuvor auf seine Seite gestellt und sein Leben zum besseren gewendet hat. Taten wie diese Blindenheilung sind es, die für Jesus sprechen. Wo er hinkommt, lernen Menschen, die vorher blind waren, wieder zu sehen. Die Vierzig Tage sind eine gute Gelegenheit, genau hinzuschauen und sich auf die Seite Jesu zu stellen.

Donnerstag, 19. März 2026

Die Macht des Vorurteils

Donnerstag der 4. Fastenwoche, Hl. Josef, 19. März 2026

Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe. Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden? (Joh 9,24–27)

Die Pharisäer haben sich ernsthaft und intensiv mit Jesus beschäftigt. Sie reden dabei über ihn, nicht mit ihm. Die Erfahrung des geheilten Mannes passt nicht in ihre Vorstellung. Deshalb fragen sie ihn noch einmal und machen dabei deutlich, was sie von Jesus halten: Wer so handelt, muss ein Sünder sein. Sie haben ihr Urteil bereits getroffen. Der Mann hingegen bleibt vorsichtig. Er schildert nur das, worüber er sich ganz sicher ist. Er möchte sich nicht selbst in Schwierigkeiten bringen, aber auch an der Vorverurteilung Jesu nicht mitwirken. Heute werden sehr viele vorschnelle Urteile über andere gefällt, im Gespräch über andere oder in den digitalen Medien. Umkehr bedeutet, vorsichtig zu bleiben und nicht über andere zu urteilen.

Mittwoch, 18. März 2026

Religion und Ideologie

Mittwoch der 4. Fastenwoche, 18. März 2026

Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich. Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. (Joh 9,13–16)

Die Pharisäer stehen hier für die Verteidiger der richtigen Religion und ihrer Vorschriften. Der Sabbat ist für die jüdischen Glauben sehr wichtig, daher achten sie so genau darauf, so sehr, dass über die Vorschriften das Heil des Menschen, der bisher in Dunkelheit gelebt hat, in Vergessenheit gerät. So ist es immer, wenn aus der Religion oder einer bestimmten Haltung eine Ideologie wird. Dabei wird anderen die Berechtigung für ihr Tun abgesprochen. So entstehen Spaltungen, und die Not der Menschen, die die anderen brauchen, wird vergessen. Die Vierzig Tage sind eine gute Gelegenheit, die eigenen Ansichten zu hinterfragen und Spaltungen zu überwinden.

Dienstag, 17. März 2026

Das Heil bemerken

Dienstag der 4. Fastenwoche, 17. März 2026

Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte sehen. Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht. (Joh 9,8–12)

Die Menschen in der Stadt kennen einander nicht sehr gut, aber doch. Daher fragen sie sich, ob er wirklich der ist, von dem sie schon wussten, dass er blind war und betteln musste. Sie reden zuerst über ihn, bevor sie ihn selbst fragen. Er gibt bereitwillig Auskunft und erzählt, was mit ihm geschehen ist. Offensichtlich ist er noch überwältigt von seiner Erfahrung. Denn er hat sich noch nicht gefragt, wer dieser Jesus wirklich ist oder wo er zu finden sei. Er hat das Augenlicht geschenkt bekommen und muss jetzt mit der Situation zurechtkommen. Oft passiert etwas Heilsames, das zunächst noch gar nicht bemerkt oder realisiert wird. Dann braucht es ein wenig Zeit und die Bereitschaft, sich darauf einzulassen.

Montag, 16. März 2026

Die heilsame Begegnung mit Jesus

Montag der 4. Fastenwoche, 16. März 2026

Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. (Joh 9,6–7)

Nachdem Jesus mit seinen Jüngern über Sünde und Reinheit gesprochen hat, wendet er sich dem blinden Mann selbst zu. Er ist da für die, die ihn brauchen. Eine einfache Geste, eine Berührung der Augen und die Reinigung im Teich bringen die ersehnte Heilung. Der Mann kann wieder sehen. Die Begegnung mit Jesus ist heilsam. Wer seinem Beispiel folgt, kann selbst mit kleinen, liebevollen Gesten für andere ein bisschen Licht in ihre Finsternis bringen.


Sonntag, 15. März 2026

Blindheit und Heilung

Vierter Fastensonntag, 15. März 2026

Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden. Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. (Joh 9,1–5)

Die Evangelien erzählen mehrmals davon, dass Jesus blinde Menschen wieder sehend macht. Bei Johannes ist das mit einem Gespräch über den Glauben, die Sünde und Gottes Handeln verbunden. Ist die Blindheit eine Strafe für eine frühere Sünde?, so fragen die Jünger. Jesus weist diese seltsame Logik zurück. Die Blindheit der Augen ist keine Folge der Sünde. Sie gehört zur menschlichen Begrenztheit. Neben der körperlichen Einschränkung gibt es die Blindheit des Herzens, die aus der eigenen Selbstbezogenheit stammt. Jesus möchte beide heilen und die Menschen aus der Enge und der Finsternis herausführen.