Mittwoch, 1. April 2026

Nahe bei den Leidenden

Mittwoch der Karwoche, 1. April 2026

Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Mantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an. Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Kyrene namens Simon; ihn zwangen sie, sein Kreuz zu tragen. So kamen sie an den Ort, der Golgota genannt wird, das heißt Schädelhöhe. Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken. Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider, indem sie das Los über sie warfen. Dann setzten sie sich nieder und bewachten ihn dort. (Mt 27,31–36)

Sie führen Jesus zur Kreuzigung. Er muss sein Kreuz selbst tragen, ist aber schon geschwächt, dass ein anderer gezwungen wird, ihm zu helfen. Jesus bekommt bitteren Wein zu trinken. Seine Kleidung wird ihm genommen und damit seine Würde, bevor er ans Kreuz geschlagen wird. In wenigen Worten schildert der Evangelist die ganze Grausamkeit der Hinrichtung bis hin zur Gleichgültigkeit der Peiniger. Für sie ist es eine Aufgabe wie jede andere. Jesus wird im Tod solidarisch mit allen Verfolgten, Gequälten, Gefolterten und Hingerichteten. Sein Leid bringt ihn ganz nahe zu allen anderen Leidenden. Durch die Auferstehung ist das Kreuz aus einem Zeichen der Grausamkeit zum Sinnbild des neuen Lebens geworden. Seine Passion ist eine Aufforderung, mit den Leidenden dieser Welt solidarisch zu sein.

Dienstag, 31. März 2026

Schnelle Verurteilung

Dienstag der Karwoche, 31. März 2026

Pilatus sagte zur Menge: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Christus nennt? Da antworteten sie alle: Ans Kreuz mit ihm! Er erwiderte: Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Sie aber schrien noch lauter: Ans Kreuz mit ihm! Als Pilatus sah, dass er nichts erreichte, sondern dass der Tumult immer größer wurde, ließ er Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache! Da rief das ganze Volk: Sein Blut – über uns und unsere Kinder! Darauf ließ er Barabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln und lieferte ihn aus zur Kreuzigung. (Mt 27,22–26)

Die ideologische Verblendung führt dazu, dass die Gegner Jesu und die Menge lieber einen Verbrecher freilassen wollen als Jesus. Für ihn verlangen sie die Kreuzigung. Es ist leicht, die Verurteilung eines Menschen zu fordern, der nicht in die gerade aktuellen Vorstellungen passt. Pilatus, der Machthaber, lässt Jesus lieber hinrichten, als Verantwortung zu übernehmen. Jesus teilt das Schicksal so vieler. Sie werden unschuldig verurteilt, von Unrechtsregimen festgenommen, gefoltert und hingerichtet. Andere werden in den Medien, besonders in den sogenannten sozialen Medien, öffentlich bloßgestellt und verurteilt, oft bevor überhaupt eine Schuld feststeht. Das Evangelium von der Passion Jesu fordert uns auf, die eigene Haltung anderen gegenüber zu hinterfragen, für die Unschuldigen einzutreten und eigene vorschnelle Urteile zu überdenken.

Montag, 30. März 2026

Judas, der Freund

Montag der Karwoche, 30. März 2026

Noch während Jesus redete, siehe, da kam Judas, einer der Zwölf, mit einer großen Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren; sie waren von den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes geschickt worden. Der ihn auslieferte, hatte mit ihnen ein Zeichen vereinbart und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es; nehmt ihn fest! Sogleich ging er auf Jesus zu und sagte: Sei gegrüßt, Rabbi! Und er küsste ihn. Jesus erwiderte ihm: Freund, dazu bist du gekommen? Da gingen sie auf Jesus zu, ergriffen ihn und nahmen ihn fest. (Mt 26,47–50)

Jesus nennt Judas seinen Freund. Er war ein Jünger, der ihm voll Eifer nachgefolgt ist. Sicher war seine Begeisterung ehrlich. Was ist mit ihm passiert, dass er zum Verräter wurde? Immer wieder verlassen Menschen ihre Ziele und Ideale, ja verraten diese. Sie wenden sich gegen die, mit denen sie gemeinsam gegangen sind. Diese schmerzliche Erfahrung müssen viele machen. Oft bleiben die Motive den anderen verborgen. Jesus sieht im Verräter Judas immer noch den Menschen, den er berufen hat, seinen Freund. Gott ist auch bei denen, die den guten Weg verlassen, denn die Umkehr ist immer noch möglich. Das Beispiel des Judas ist eine Mahnung, sich selbst zu fragen, ob der eigene Weg zum richtigen Ziel führt.

Sonntag, 29. März 2026

Begeisterung für den Alltag

Palmsonntag, 29. März 2026

Die Jünger brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa. (Mt 21,7–11)

Jubel und Begeisterung prägen den Einzug Jesu in Jerusalem. Der Messias kommt, von dem die Menschen Rettung und Erneuerung erhoffen. Er erregt Aufsehen in der ganzen Stadt. Wird die Begeisterung anhalten? Immer wieder lassen sich Menschen mitreißen, nehmen die Erfahrung des Glaubens auf, bei Gottesdiensten, Veranstaltungen, Wallfahrten, an spirituellen Orten. Das ist wichtig. Die emotionale Dimension ist für den Glauben unverzichtbar. Wichtig ist, dass die stärkende, begeisternde Erfahrung im Alltag weiterwirkt.

Samstag, 28. März 2026

Glaube und Leben

Samstag der 5. Fastenwoche, 28. März 2026

Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen! Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn. (Joh 11,39–45)

Einmal noch wird der Glaube Martas auf die Probe gestellt, wenn das Grab geöffnet werden soll. Sie fürchtet den Leichengeruch, der die Endgültigkeit des Todes spürbar macht. Sie hat vielleicht auch schon abgeschlossen. Aber für Jesus ist Lazarus noch nicht verloren. Er soll sein Leben zurückerhalten um des Glaubens willen, damit auch der Glauben der anderen gestärkt werde. Wer Heil und Leben, die von Jesus ausgehen, hautnah erfahren hat, kann zum Glauben an ihn kommen. Viele tun es, aber nicht alle. So viel Wunderbares und Schönes geschieht in dieser Welt, aber nicht alle nehmen es wahr. So viel ist mir in meinem Leben geschenkt worden. Die Vierzig Tage laden ein, sich das bewusst zu machen.

Freitag, 27. März 2026

Gott ins Leben hereinlassen

Freitag der 5. Fastenwoche, 27. März 2026

Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen. Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus. Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb? Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. (Joh 11,31–38)

Die innige Beziehung von Maria und Marta zu Jesus bleibt nicht verborgen. Sie ist keine Privatsache. Die Menschen gehen mit und sehen, was passiert. Sie bemerken, wie Jesus um seinen Freund trauert. In die Anerkennung der Liebe Jesu zu den Seinen mischt sich der Zweifel: Wieso war er nicht da, als es passierte? Er hätte doch helfen können. Dann sehen sie, wie Jesus zum Grab des Freundes geht. Der Glaube ist nie nur privat, sondern eine gemeinsame Angelegenheit, die nach außen wirkt. Dazu muss er nicht vollkommen sein. Zweifel gehören zum Glauben. Wer sich ehrlich damit auseinandersetzt, kann dabei im Glauben wachsen. Maria und Marta führen Jesus zum Grab. Sie lassen ihn in ihr Leben. Wer ehrlich glaubt, auch mit Zweifeln, wird Gott in das eigene Leben einlassen.

Donnerstag, 26. März 2026

Die Hoffnung teilen

Donnerstag der 5. Fastenwoche, 26. März 2026

Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen. Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm. Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte. (Joh 11,24–30)

Marta hält am Glauben fest. Sie vertraut Jesus, auch wenn es ihr offensichtlich nicht leicht fällt. Jesus ist der Christus, der Messias. Damit verbunden ist die Zusage, dass er die Auferstehung und das Leben für die Seinen, für Marta, für Lazarus und für uns ist. Der Glaube ist existentiell, er spendet neues Leben und verändert unser Leben zum Guten. Marta muss das annehmen, auch wenn es sich gerade ganz anders anfühlt. Sie setzt einen weiteren Schritt und holt ihre Schwester, denn Vertrauen und Hoffnung müssen geteilt werden, damit Jesus ankommen kann, im Dorf, bei Maria, bei uns allen.