Donnerstag, 7. Dezember 2023

Trost in einer scheinbar hoffnungslosen Welt

Impuls zum Donnerstag der 1. Adventswoche, 7. Dezember 2023

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm, tröst uns hier im Jammertal.

Diese Strophe beginnt mit der Frage: Wo bleibt der Trost? Trost scheint nicht sehr attraktiv zu sein. Er bietet keine Lösungen, gibt den Menschen nicht mehr Freiheit, schafft keine neue Ordnung. Wenn Kinder weinen, werden sie getröstet. Aber was vermag Erwachsene zu trösten, wenn Situationen aussichtslos scheinen? Wer kann Trost in einer Welt geben, die ein “Jammertal” ist? In den prophetischen Texten der Bibel ist jene Zeit gemeint, als ein großer Teil der Israeliten in Babylon im Exil leben musste. Viele Menschen leben heute in dieser Situation, vertrieben aus dem eigenen Land durch Kriege, Ungerechtigkeit oder Katastrophen. Trösten kann sie nur Menschlichkeit, die ihnen in ihrer Not begegnet. Das gilt auch für die, deren Lebensentwürfe plötzlich nicht mehr funktionieren, weil sie ihre Arbeit verlieren, trotz Arbeit in wirtschaftliche Not kommen, krank werden, weil liebe Menschen sterben, Familien zerbrechen, Freundschaften enden. In der Kirche erleben wir, dass die alten Strukturen nicht mehr funktionieren, weil sich nicht mehr genug Menschen einbringen wollen oder können. Das gilt auch für andere Vereinigungen und Gruppen. In Theologie und Verkündigung ist der Begriff Jammertal nicht modern, und doch wird sehr viel gejammert. Das kann ein Ausdruck von Hilflosigkeit oder Bequemlichkeit sein, die echte Not dahinter wird mitunter zugedeckt. Trost nimmt Leid und Elend ernst und schaut trotzdem auf das Gute. Adventlich leben bedeutet, Trost zuzulassen und anderen, die ihn brauchen, selbst Trost zu geben.


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