Geist
und Kosmos, so heißt ein Buch, das ich gestern in meiner Buchhandlung
erstand und sofort zu lesen begann. Thomas Nagel, ein amerikanischer
Philosoph, führt darin seine Zweifel an der herrschenden Meinung aus,
die Naturwissenschaften könnten mithilfe phyisikalischer und chemischer
Mechanismen alles, insbesondere den Menschen und den menschlichen Geist
erklären. Eine andere Erklärung sei nicht zulässig. So etwas nennt man
Reduktionismus, und Nagel behauptet wohl nicht ganz zu Unrecht, das sei
die “gängige Orthodoxie” unter Physikern, Biologen und
Neurowissenschaftlern. Aber er sei unzureichend, so Nagel.
Für
gläubige Menschen ist damit ein Problem angesprochen, dass sie
scheinbar nur entweder naturwissenschaftlich denken oder unabhängig
davon an einen Schöpfergott glauben können. Beides miteinander sei
unversöhnbar. Interessant ist, dass Thomas Nagel für sich in Anspruch
nimmt, ungläubig zu sein und den Glauben sogar abzulehnen, weil ihm
nämlich der “Sinn für das Göttliche” (sensus divinitatis), wie er
schreibt, völlig abgehe. Er hat aber trotzdem Zweifel daran, dass sich das Universum und besonders der menschliche Geist mit all seinen
Errungenschaften auf allein physikalische Gesetzmäßigkeiten, auf ungerichtete Mutation und Selektion
zurückführen lässt.
Dazu kam mir eine grundsätzliche Überlegung: Der Zweifel alleine mag
vielleicht Thomas Nagel befriedigen, die Mehrheit der mir bekannten
Menschen wird damit nicht glücklich. Zweifel kommt dann auf,
wenn das Vertrauen in eine Lösung nicht mehr hält, ist aber selbst keine
Lösung. Zweifel führt dazu, dass wir nach neuen Wegen suchen. Der
Reduktionismus ist aus einem Zweifel entstanden. Er hat deshalb gelegentlich so
aggressive Züge, weil er zu Beginn als Instrument eines kämpferischen
Atheismus im Kampf gegen die Religion eingesetzt wurde. Das ist heute wohl kaum bekannt, findet sich
aber wieder, wenn die Vertreter eines "Neuen Atheismus" mit
naturwissenschaftlichen Thesen argumentieren.
Wenn
ein gläubiger Mensch oder gar ein Theologe wie ich diese Thesen liest,
kommen selten Zweifel am Gottesglauben auf, denn der wird dort gar nicht
berührt. Die Angriffe richten sich gegen ein Zerrbild des Glaubens. Und
auch der Reduktionismus versucht etwas zu reduzieren, was eigentlich
gar nicht Gegenstand christlichen Glaubens ist. Denn Gott, der Schöpfer
des Himmels und der Erde, kann sehr wohl auch im Einklang mit
physikalischen Gesetzen gedacht werden, ohne deshalb
naturwissenschaftliche Erklärungen zu entwerten. Und der Zweifel an Gott
ist auch möglich, ja nötig, wie der Zweifel an mir selbst. Er führt
aber dazu, dass ich mich vertieft mit meinem Glauben beschäftige. Ich
habe dabei Gott immer wieder gefunden.
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