Samstag, 12. Oktober 2013

Reden oder schweigen?

Der Prophet Zefanja schreibt: “Schweigt vor Gott, dem Herrn! Denn der Tag des Herrn ist nahe” (1,7). Neulich habe ich bei einem Vortrag über Gottesrede in der Welt von heute gehört, wir sollen doch mehr von Gott schweigen und weniger reden, denn nur das eröffnet den Menschen einen Raum der Gotteserfahrung. Schon während dem Vortrag waren meine Zweifel geweckt, die ich dann auch als Anfrage formuliert habe.
Sicher ist in der Geschichte viel oft zu viel über Gott geredet worden. Ein Problem der Verkündigung ist, dass viele Antworten gegeben werden, für die es keine Fragen gibt. Das heißt aber nicht, dass es gar keine Fragen gibt. Was ist der Sinn meines Lebens? Wo ist Gott? Wo kann ich ihn finden? Diese Fragen sind nach wie vor lebendig. Und wenn sie auftauchen, dann dürfen die, die eine Idee davon haben, keinesfalls schweigen.
Der Prophet Zefanja schweigt auch nicht. Die drei Kapitel dieses Buches bestehen aus Ermahnungen, Warnungen und Verheißungen. Jesus hat nicht geschwiegen, sondern geredet. Wer andere zum Schweigen auffordert, hat wohl nicht ganz verstanden, dass Schweigen nur im Raum der Rede seinen Platz hat. Dann kann es dem ergangenen Wort die Chance geben, tiefer zu gehen. Wir aber haben heute eher das Problem, dass viele Menschen heute, wie es an anderer Prophet, nämlich Amos, angekündigt hat, nicht nach Brot hungern, sondern nach einem Wort des Herrn (8,11). Vielleicht sollten wir heute ein wenig mehr reden, freilich vielleicht auch ein wenig bewusster.

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