Der
Prophet Zefanja schreibt: “Schweigt vor Gott, dem Herrn! Denn der Tag
des Herrn ist nahe” (1,7). Neulich habe ich bei einem Vortrag über
Gottesrede in der Welt von heute gehört, wir sollen doch mehr von Gott
schweigen und weniger reden, denn nur das eröffnet den Menschen einen
Raum der Gotteserfahrung. Schon während dem Vortrag waren meine Zweifel
geweckt, die ich dann auch als Anfrage formuliert habe.
Sicher
ist in der Geschichte viel oft zu viel über Gott geredet worden. Ein
Problem der Verkündigung ist, dass viele Antworten gegeben werden, für
die es keine Fragen gibt. Das heißt aber nicht, dass es gar keine Fragen
gibt. Was ist der Sinn meines Lebens? Wo ist Gott? Wo kann ich ihn
finden? Diese Fragen sind nach wie vor lebendig. Und wenn sie
auftauchen, dann dürfen die, die eine Idee davon haben, keinesfalls
schweigen.
Der
Prophet Zefanja schweigt auch nicht. Die drei Kapitel dieses Buches
bestehen aus Ermahnungen, Warnungen und Verheißungen. Jesus hat nicht
geschwiegen, sondern geredet. Wer andere zum Schweigen auffordert, hat
wohl nicht ganz verstanden, dass Schweigen nur im Raum der Rede seinen
Platz hat. Dann kann es dem ergangenen Wort die Chance geben, tiefer zu
gehen. Wir aber haben heute eher das Problem, dass viele Menschen heute,
wie es an anderer Prophet, nämlich Amos, angekündigt hat, nicht nach
Brot hungern, sondern nach einem Wort des Herrn (8,11). Vielleicht
sollten wir heute ein wenig mehr reden, freilich vielleicht auch ein
wenig bewusster.
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