Montag, 7. Oktober 2013

Ergebung oder Widerstand?


Am 7. Oktober 1938, heute vor 75 Jahren, feierten im Wiener Stephansdom Tausende junge Menschen das Rosenkranzfest. Der Wiener Erzbischof Kardinal Theodor Innitzer hielt damals eine bewegende Predigt. Das ganze Fest wurde zu einer Gegendemonstration gegen die nationalsozialistische Herrschaft und wurde tags darauf von der Hitlerjugend mit dem Sturm auf das erzbischöfliche Haus beantwortet. Der so oft für sein damaliges Verhalten gescholtene Kardinal Innitzer sagte damals unter anderem: “…wir wollen uns gerade jetzt… zu Christus bekennen, unserem Führer und Meister, unserem König und seiner Kirche…”
Zu Recht bewundern wir heute alle, die damals Widerstand geleistet haben oder nicht aktiv an einem mörderischen System mitgewirkt haben. Sie haben ihr Leben riskiert, viele haben es auch verloren, bekannt sind etwa aus christlichen Kreisen Restituta Kafka, Franz Jägerstätter, Dietrich Bonhoeffer (dem der Titel dieses Blogs verdankt ist), Otto Schimek. Andere haben sich sozusagen ergeben und versucht, an ihrer jeweiligen Stelle die Jahre zu überleben. Manche aber haben sich von der Ideologie blenden lassen.
Wenn die Ideologie über allem steht, dann kann es nur einen Führer geben, dann ist jede andere Instanz gefährlich, Grundprinzipien, religiöse, humanitäre Ideen, ein fester Glaube, das eigene Gewissen oder gar Gott. Niemand sonst darf dir sagen, wie du dich verhalten sollst, als der, der sich selbst zum Führer gemacht hat.
Das Evangelium lässt solche Denkmuster gar nicht zu, denn es verlangt von mir, mein Handeln selbst und eigenverantwortlich nach dem Guten auszurichten. Die Zehn Gebote und die Worte der Bergpredigt sind lediglich Hilfen, wie das Gute zu finden ist. In der Situation bin ich immer auf mein Gewissen angewiesen. Deshalb wollten Diktatoren zu allen Zeiten Macht über die Gewissensbildung erreichen. Deshalb ist es auch so gefährlich, wenn moralisches Handeln heute vielerorts an Experten delegiert wird. Nach der Auferstehung sagt Jesus zu Petrus ein eindrucksvolles Wort: “Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst” (Joh 21,18). Das ist immer als Hinweis auf das Martyrium des Petrus verstanden worden. Ich verstehe es auch als Warnung an uns: Lasse ich zu, dass jemand mich gürtet und dorthin führt, wohin ich nicht will?

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