Am
7. Oktober 1938, heute vor 75 Jahren, feierten im Wiener Stephansdom
Tausende junge Menschen das Rosenkranzfest. Der Wiener Erzbischof
Kardinal Theodor Innitzer hielt damals eine bewegende Predigt. Das ganze
Fest wurde zu einer Gegendemonstration gegen die nationalsozialistische
Herrschaft und wurde tags darauf von der Hitlerjugend mit dem Sturm auf
das erzbischöfliche Haus beantwortet. Der so oft für sein damaliges
Verhalten gescholtene Kardinal Innitzer sagte damals unter anderem: “…wir wollen uns gerade jetzt… zu Christus bekennen, unserem Führer und Meister, unserem König und seiner Kirche…”
Zu
Recht bewundern wir heute alle, die damals Widerstand geleistet haben
oder nicht aktiv an einem mörderischen System mitgewirkt haben. Sie
haben ihr Leben riskiert, viele haben es auch verloren, bekannt sind
etwa aus christlichen Kreisen Restituta Kafka, Franz Jägerstätter,
Dietrich Bonhoeffer (dem der Titel dieses Blogs verdankt ist), Otto
Schimek. Andere haben sich sozusagen ergeben und versucht, an ihrer
jeweiligen Stelle die Jahre zu überleben. Manche aber haben sich von der
Ideologie blenden lassen.
Wenn
die Ideologie über allem steht, dann kann es nur einen Führer geben,
dann ist jede andere Instanz gefährlich, Grundprinzipien, religiöse,
humanitäre Ideen, ein fester Glaube, das eigene Gewissen oder gar Gott.
Niemand sonst darf dir sagen, wie du dich verhalten sollst, als der, der
sich selbst zum Führer gemacht hat.
Das
Evangelium lässt solche Denkmuster gar nicht zu, denn es verlangt von
mir, mein Handeln selbst und eigenverantwortlich nach dem Guten
auszurichten. Die Zehn Gebote und die Worte der Bergpredigt sind
lediglich Hilfen, wie das Gute zu finden ist. In der Situation bin ich
immer auf mein Gewissen angewiesen. Deshalb wollten Diktatoren zu allen
Zeiten Macht über die Gewissensbildung erreichen. Deshalb ist es auch so
gefährlich, wenn moralisches Handeln heute vielerorts an Experten
delegiert wird. Nach der Auferstehung sagt Jesus zu Petrus ein
eindrucksvolles Wort: “Als
du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen,
wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände
ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du
nicht willst” (Joh 21,18).
Das ist immer als Hinweis auf das Martyrium des Petrus verstanden
worden. Ich verstehe es auch als Warnung an uns: Lasse ich zu, dass
jemand mich gürtet und dorthin führt, wohin ich nicht will?
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