Dienstag, 1. Oktober 2013

Die Kirche lieben

Geht es Ihnen auch so, dass Sie sich verantwortlich fühlen? Ich selbst fühle mich für die Katholische Kirche verantwortlich. Das mag ein typisch katholischer Reflex sein, ist bei mir freilich auch berufsbedingt. Wann immer jemand etwas Kritisches über die Kirche sagt, fühle ich mich herausgefordert. Da gibt es Leute, denen nichts Katholisch genug sein kann, die selbst genau wissen, was richtig ist. Da gibt es Leute, für die die Kirche immer alles falsch macht, weil sie nicht ihren eigenen Wünschen entspricht. Immer wieder treffe ich mit solchen Menschen zusammen oder lese ihre Nachrichten. Dann gibt es welche, die selbst für die Kirche arbeiten, beruflich oder ehrenamtlich. Sie spüren den Gegenwind, in dem die Kirche heute steht. Und da sind die Unzulänglichkeiten besonders groß. Natürlich gibt es an der Kirche genug zu kritisieren. So viel Menschliches ist da. In den Jahrhunderten haben sich auch Strukturen breit gemacht, die heute nur mehr wenig hilfreich sind. Es gibt genug Verbesserungspotiential. Und das mit dem Evangelium ist in der Theorie eine ganz tolle Sache, aber man müsste sich einmal daran halten können. Nur das ist schon so nicht leicht, und ob die Kirche das immer und überall erleichtert? Da habe ich meine Zweifel.
Und trotzdem liebe ich diese Kirche, weil sie „menschelt“, weil sie manchmal alt und verstaubt ist, gleichzeitig aber naiv wie ein kleines Kind. Ich gehöre dazu und sie ist meine Kirche, ich bin in ihr groß geworden, und sie hat Platz für so ein unvollkommenes Wesen wie mich. Danke, guter Gott, dass Du mich in eine Kirche berufen hast, die nicht perfekt ist, denn nur so kann ich dort auch bestehen und daran arbeiten, dass Dein Evangelium von uns Anfängern ein bisschen besser verstanden und gelebt wird.

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