Geht es Ihnen auch so, dass Sie sich
verantwortlich fühlen? Ich selbst fühle mich für die Katholische Kirche
verantwortlich. Das mag ein typisch katholischer Reflex sein, ist bei mir
freilich auch berufsbedingt. Wann immer jemand etwas Kritisches über die Kirche
sagt, fühle ich mich herausgefordert. Da gibt es Leute, denen nichts Katholisch
genug sein kann, die selbst genau wissen, was richtig ist. Da gibt es Leute,
für die die Kirche immer alles falsch macht, weil sie nicht ihren eigenen
Wünschen entspricht. Immer wieder treffe ich mit solchen Menschen zusammen oder
lese ihre Nachrichten. Dann gibt es welche, die selbst für die Kirche arbeiten,
beruflich oder ehrenamtlich. Sie spüren den Gegenwind, in dem die Kirche heute
steht. Und da sind die Unzulänglichkeiten besonders groß. Natürlich gibt es an
der Kirche genug zu kritisieren. So viel Menschliches ist da. In den Jahrhunderten
haben sich auch Strukturen breit gemacht, die heute nur mehr wenig hilfreich
sind. Es gibt genug Verbesserungspotiential. Und das mit dem Evangelium ist in
der Theorie eine ganz tolle Sache, aber man müsste sich einmal daran halten
können. Nur das ist schon so nicht leicht, und ob die Kirche das immer und
überall erleichtert? Da habe ich meine Zweifel.
Und trotzdem liebe ich diese Kirche, weil sie „menschelt“,
weil sie manchmal alt und verstaubt ist, gleichzeitig aber naiv wie ein kleines
Kind. Ich gehöre dazu und sie ist meine Kirche, ich bin in ihr groß geworden,
und sie hat Platz für so ein unvollkommenes Wesen wie mich. Danke, guter Gott,
dass Du mich in eine Kirche berufen hast, die nicht perfekt ist, denn nur so
kann ich dort auch bestehen und daran arbeiten, dass Dein Evangelium von uns
Anfängern ein bisschen besser verstanden und gelebt wird.
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