Montag, 30. November 2020

Kommt her, mir nach!

Impuls: Hl. Apostel Andreas, Montag, 30. November 2020



Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. (Mt 4,18-19)

Gleich der zweite Tag des Advent erinnert an einen der ersten Apostel, die Jesus beruft, um sie in die Welt zu senden. Jesus verlangt eine Umkehr von ihnen: lasst euch nicht mehr nur von euren Geschäften treiben, sondern kommt her und geht mir nach. Folgt meinen Spuren! Umkehr bedeutet, beachten ob ich in meinem Leben noch in der Spur Jesu bin. Der Advent gibt dazu Gelegenheit.

Sonntag, 29. November 2020

Seid wachsam!

Impuls: 1. Adventssonntag, 29. November 2020

 

Seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen. Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen. (Mk 13,35-36)

Der Advent ist die Zeit der Vorbereitung auf die Wiederkunft Jesu Christi. Was so endzeitlich, ja apokalyptisch klingt, hat auch eine ganz konkrete Bedeutung für mein eigenes Leben als Christ in der Welt. Denn Christsein bedeutet, Jesus im eigenen Leben begegnen und andere Jesus begegnen lassen. Das stärkste Hindernis für die Begegnung bin ich aber oft selbst, weil ich vor lauter Hektik oft nicht mehr bemerke, was eigentlich wichtig ist. Der Advent soll Gelegenheit geben, wachsam zu sein und auf mich selbst zu schauen, ob ich noch Platz für Gott in meinem Leben habe. Wenn ich den wieder entdecke, finde ich auch Platz für andere Menschen, die mich gerade jetzt brauchen.



Donnerstag, 26. November 2020

Advent, du stille Zeit

Für viele ist der Advent heuer eine besonders stille Zeit. Das Covid19 Virus hat die ganze Welt in eine Krise gestürzt, unsere Regierung hat drastische Maßnahmen gesetzt. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften haben gemeinsame Gottesdienste ausgesetzt, freiwillig, allerdings nicht auf eigene Initiative, sondern auf dringende Bitte der Regierung. Von uns Gläubigen wird viel verlangt. Wer allerdings selbst durch das Virus erkrankt ist oder Erkrankte kennt, weiß, dass Corona zu einer schweren Erkrankung führt, von der sich auch junge Menschen nur langsam erholen. Von den Älteren will ich gar nicht reden.


Wenn man zu Hause sitzt, weil man das Haus nicht verlassen darf, kommen Zweifel, gerade im Advent, wo wir doch viel lieber unterwegs wären, Freunde treffen würden, Weihnachtsmärkte oder Punschstände besuchen, die Rorate feiern und vieles andere mehr. Der Adventkranz steht zu Hause. Wie steht es aber mit der Segnung? Muss er heuer ohne Segen auskommen so wie ich selbst ohne Gottesdienst auskommen muss? - Halt, hier liegt ein Missverständnis vor! Dass die Sonntagsmesse nicht wie gewohnt stattfinden kann, bedeutet nicht, dass kein Gottesdienst gefeiert wird.

Sicher ist die gemeinsame Eucharistiefeier Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens. So erfahren wir sie auch. Aber darin erschöpft sich weder der Gottesdienst noch das kirchliche Leben. Es gibt auch viele Gottesdienstformen, wir selbst feiern können, in der Kirche, die ja offen sein soll, oder zu Hause. Die ganz alte Tradition der Hausgottesdienste hat gerade im Advent ihren guten Platz. Dabei kann auch die Familie selbst den Adventkranz segnen. Der Segen kommt nämlich von Gott, gleich ob der Papst Stadt und Erdkreis segnet, ein Priester Weihwasser verteilt oder eine Mutter ihrem Kind ein Kreuz auf die Stirn macht. Deshalb hält auch das Gotteslob, das offizielle Gebet- und Gesangsbuch, unter der Nummer 24 ein Modell für die Segnung des Adventkranzes zu Hause bereit. Zu Hause darf dabei auch gesungen werden. Wer Weihwasser zu Hause hat, kann das auch verwenden.

Die Heiligung des Tages geschieht durch das Stundengebet, morgens, mittags, abends, nachts. Jeder kann selbst Teile davon vollziehen. Die kleinste Form ist der Engel des Herrn, zu dem die Glocken unserer Kirchen dreimal täglich aufrufen. Wer unterwegs ist, kann dazu in eine Kirche gehen und ihn dort beten. Der Text findet sich ebenfalls im Gotteslob (3,6).

Jede und jeder kann eine Kirche besuchen auf dem Weg durch die Stadt, eine Kerze anzünden, ein Gebet sprechen für andere, für die Welt, für mich selbst. Eine andere wichtige Möglichkeit ist, mit Taten zu beten, andere anzurufen, vor allem die Einsamen, Kranken oder Isolierten. Manche brauchen auch Hilfe bei Besorgungen, und vielleicht kann man eine Kerze oder eine kleine Aufmerksamkeit dazufügen.

Mediale oder digitale Angebote können eine Hilfe sein, mehrere Fernseh- und Radiosender übertragen Gottesdienste, eine Fülle von Live-Streams bringen die Messe und andere Feiern zumindest in Bild und Ton nach Hause. Eine Übertragung ist nicht dasselbe, wie die persönliche Mitfeier. Aber wir wissen, dass diese Phase vorübergehen wird. Und, zumindest mir geht es so, wir erfahren, wie es denen geht, denen der Gottesdienst wichtig ist, die aber schon seit Jahren nicht mehr persönlich teilnehmen können. Die Radiomesse im Regionalradio des ORF jeden Sonntag hatte schon bisher bis zu 750.000 Hörerinnen und Hörer. Es gibt viele Menschen, die darauf angewiesen sind oder aus anderen Gründen bisher schon diesen Weg vorgezogen haben.

Advent, du stille Zeit. Der Tag ist nicht mehr weit - so singen wir in einem Adventlied. Heuer scheint die Zeit besonders still und der Tag besonders weit. In der christlichen Tradition ist der Advent eine Zeit der Vorbereitung, des Fastens und Betens. Christus möchte bei mir ankommen, in mir geboren werden. Bin ich dazu bereit? Heuer ist die Gelegenheit, dass wir uns auf das Wesentliche besinnen und uns auf andere, vielleicht intensivere Weise auf das Kommen Jesu vorbereiten!

Sonntag, 22. April 2018

Worum beten wir am „Weltgebetstag für geistliche Berufe“?

Jeweils am 4. Sonntag der Osterzeit begeht die Weltkirche den Weltgebetstag für geistliche Berufe und bittet dabei um zweierlei: Gott möge viele Menschen rufen, dass sie geistliche Berufe ergreifen. Und alle Christinnen und Christen sollen ihrer Berufung folgen.

Erstens erinnert der Gebetstag daran, dass die Kirche Menschen braucht, die geistliche und kirchliche Berufe ergreifen, als Priester, Diakone, Ordensleute, pastorale Mitarbeiter, Religionslehrerinnen und Religionslehrer. Gott beruft Menschen in seine Nachfolge und seinen Dienst. Diese brauchen geistliche Gaben, damit sie ihre Aufgaben erfüllen können, die Charismen, die für unsere Kirche heute so wichtig sind. Um beides beten wir.

Zweitens bitten wir an diesem Tag auch darum, dass alle Christen, Frauen und Männer, junge und alte, ihre jeweilige Berufung erkennen und ihr folgen. Denn das Evangelium kann nicht nur von Hauptamtlichen verbreitet werden. Alle Getauften müssen beitragen, dass die Frohbotschaft von Jesus Christus in der Welt verkündet und vorgelebt wird.

Freitag, 2. März 2018

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Schließlich bitten wir darum, dass Gott uns vom Bösen erlösen oder befreien möge. Denn das Böse hindert uns daran, wirklich unserer Berufung zu folgen. Die Sünde, die einmal in die Welt gekommen ist, wirkt weiter. Sie führt dazu, dass ich lieber sündige als nicht sündige. Sie schwächt die menschliche Freiheit. Dem Kreislauf der Sünde können wir Menschen von selbst nicht entkommen. Dafür ist die Erlösung notwendig.

Mit dieser Bitte ist die Anerkennung verbunden, dass die menschliche Kraft alleine gegen das Böse nicht ausreicht. Wir brauchen Gottes Hilfe, weil die menschliche Freiheit das allein nicht schafft. Ich will das Gute tun und bitte Gott um Kraft dazu. Ich will das Böse vermeiden, aber allzu oft scheitere ich daran, weil das Böse stärker ist. Daher bitten wir um die Erlösung und darum, dass sie auch in meinem Leben ankommt. Damit verbunden ist die Bereitschaft, das Böse in meinem Leben zu bekämpfen und das Gute zu wollen.

Die sieben Bitten des Vater unser fassen zusammen, was wir als Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, bekennen. Er führt uns in die Gemeinschaft mit Vater und dem Heiligen Geist. Daher ist es alte Tradition am Schluss eine Doxologie anzufügen, einen Lobpreis, der das Reich, die Macht, die Herrlichkeit Gottes besingt.

Donnerstag, 1. März 2018

Und führe uns nicht in Versuchung

Der umstrittenste Satz im Gebet bittet, Gott möge uns nicht in die Versuchung hineinführen oder hineinbringen. Ist es tatsächlich denkbar, dass der gute Gott uns in Versuchung führt? Würde Gott dann nicht mit den Menschen spielen? In der ganzen bekannten Überlieferung heißt diese Stelle so. Es klingt fast anstößig. Aber wie ist das zu verstehen?

Das menschliche Leben ist voll von Versuchungen. Sie gehören zur Freiheit dazu. Nicht alle, nur manche führen wirklich zum Bösen. Was wäre das für eine Freiheit, wenn es nicht auch unterschiedliche Möglichkeiten gäbe bis dahin, dass die Freiheit missbraucht werden kann. Gott will die Freiheit des Menschen, also muss er auch die Versuchung akzeptieren, dass sie gegen das Gute und gegen Gott selbst gewendet wird. Weil nur dann die Freiheit ernstgenommen ist.

Die Bitte ist sicher richtig verstanden in dem Sinne, dass wir Gott bitten, er möge uns nicht in Versuchung geraten lassen. Ich bitte um den Schutz vor der Versuchung, der ich nicht widerstehen kann. Also könnte die Bitte auch lauten: Führe uns in der Versuchung. Aus einer Erfahrung, die um die überall gegenwärtigen Versuchungen des Lebens weiß, ist diese Bitte verständlich.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Alle sieben Bitten enthalten implizit auch Selbstverpflichtungen, doch bei dieser einen ist die Verpflichtung selbst ausgesprochen. Die Vergebung der Schuld ist die notwendige Voraussetzung für die Versöhnung. Ich habe Schuld auf mich geladen. Das gilt für alle Menschen. Wann immer ich in Sünde falle, bleibt Schuld zurück, den anderen, der Welt, mir selbst und Gott gegenüber. Gott zeigt den Weg aus dem Unheilskreislauf von Schuld und Sünde heraus.

Gott hat den ersten Schritt zur Versöhnung gesetzt mit dem Kommen seines Sohnes. Jesus ist ans Kreuz gegangen, um auch die letzten Sünder, die Verbrecher, die den Kreuzestod sterben müssen, zu versöhnen. Gott vergibt uns die Schuld, wenn wir dazu bereit sind. Darum bitten wir, damit wir den Neuanfang wagen können.

DIe Vergebung Gottes reicht aber nicht aus. Damit Versöhnung gelingt, müssen alle Menschen dazu bereit sein, besonders die, denen Böses angetan wurde. Die Bereitschaft zu vergeben ist die Voraussetzung für den Neuanfang. Gott bietet die Versöhnung an, wir müssen sie annehmen und das heißt, ich muss mich auch um die Versöhnung mit den anderen bemühen, an denen ich schuldig geworden bin.