Donnerstag, 1. März 2018

Und führe uns nicht in Versuchung

Der umstrittenste Satz im Gebet bittet, Gott möge uns nicht in die Versuchung hineinführen oder hineinbringen. Ist es tatsächlich denkbar, dass der gute Gott uns in Versuchung führt? Würde Gott dann nicht mit den Menschen spielen? In der ganzen bekannten Überlieferung heißt diese Stelle so. Es klingt fast anstößig. Aber wie ist das zu verstehen?

Das menschliche Leben ist voll von Versuchungen. Sie gehören zur Freiheit dazu. Nicht alle, nur manche führen wirklich zum Bösen. Was wäre das für eine Freiheit, wenn es nicht auch unterschiedliche Möglichkeiten gäbe bis dahin, dass die Freiheit missbraucht werden kann. Gott will die Freiheit des Menschen, also muss er auch die Versuchung akzeptieren, dass sie gegen das Gute und gegen Gott selbst gewendet wird. Weil nur dann die Freiheit ernstgenommen ist.

Die Bitte ist sicher richtig verstanden in dem Sinne, dass wir Gott bitten, er möge uns nicht in Versuchung geraten lassen. Ich bitte um den Schutz vor der Versuchung, der ich nicht widerstehen kann. Also könnte die Bitte auch lauten: Führe uns in der Versuchung. Aus einer Erfahrung, die um die überall gegenwärtigen Versuchungen des Lebens weiß, ist diese Bitte verständlich.

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