Sonntag, 31. Januar 2016

Lukas 2 heißt es „… und sie (Maria) gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen“. Was heißt da der „Erstgeborene“?

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist das eine große Freude, besonders wenn es das erste ist. Jesus war für Maria eine große Freude. Aber in der Bibel kommt noch etwas dazu. Die Erstgeborenen sind auf besondere Weise Gottes Eigentum. Sie bleiben ihr Leben lang Gott verbunden. An dieser Stelle will das Evangelium also aufzeigen, dass Jesus auf besondere Weise mit Gott verbunden ist und auch für andere zu dieser Verbindung werden kann.
Jesus stammt aus der Familie, dem Stamm Davids. Viele haben damals gehofft, dass der Retter, der Erlöser aus diesem Stamm kommen wird. Die Sehnsucht nach der Erlösung war zu dieser Zeit gerade besonders groß. Jesus heißt wörtlich „Gott rettet“, auch in seinem Namen findet sich diese Hoffnung wieder.
Durch die Verkündigung des Engels ist noch ein weiterer Aspekt aufgezeigt. Die Geburt Jesu hat mit dem Heiligen Geist zu tun. Jesus ist der einziggeborene Sohn Gottes, den Gott in die Welt gesandt hat. Wer das Alte Testament kennt, versteht, dass hier gesagt ist: Mit diesem Kind wird sich die Sehnsucht Israels nach Versöhnung und Frieden erfüllen.

Samstag, 19. Dezember 2015

4. Adventsonntag LJ C (20. Dezember 2015)

Evangelium
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
(Lk 1,39-45)

Elisabeth spricht das Wesentliche an Marias Dienst an: Sie hat geglaubt. Wer glaubt, mit dem kann Gott Großes vollbringen. Maria hat im Gott vertraut und Ja gesagt. Sie hat mitgeholfen, dass Gott Mensch werden konnte. Was Maria getan hat, das sollen auch wir Christen tun. Wir sind berufen, im Glauben Jesus jeden Tag neu Mensch werden zu lassen. Wenn das gelingt, dann kann es auch heute Weihnachten werden.

Sonntag, 6. Dezember 2015

In der Taufe werden wir von der Erbsünde befreit. Was bedeutet das?


Wenn eine Sünde geschieht, dann wird sie mächtig und belastet nicht nur den Sünder, sondern auch andere Menschen. Diese menschliche Erfahrung wird in der Theologie mit dem Begriff „Erbsünde“ beschrieben. Genaugenommen ist die Erbsünde keine Sünde, weil sie keine freie Tat ist, sondern schon von Anfang meines Daseins in mir wirkt. Sie ist eigentlich ein Zustand. Als Folge davon ist die menschliche Freiheit geschwächt. Obwohl wir Menschen wissen, dass wir das Böse nicht tun sollen, ja obwohl wir es normalerweise auch nicht wollen, fallen wir deshalb ganz leicht immer wieder in die Sünde zurück. Wir sündigen gewissermaßen fast von selbst. 
 
Durch die Taufe wird alle Sünde vergeben und weggenommen, auch die Erbsünde. Die Getauften sind zwar auch schwache Menschen, in denen die Folgen der Erbsünde sichtbar sind. Aber die Sünde hat sie nicht mehr in der Hand. Sie sind schon in der Spur Gottes, wo sie von Christus zur Vollendung geführt werden, wenn sie sich führen lassen.

Montag, 30. November 2015

1. Adventsonntag LJ C (29. November 2015)

Evangelium
Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Wenn (all) das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe. Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, (so) wie (man in) eine Falle (gerät); denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.
(Lk 21,25-28.34-36)

Die Angst ist allgegenwärtig. Der Krieg im Nahen Osten wird vor unserer Haustür gekämpft, der Terror der Fundamentalisten ist in Europa längst angekommen. Viele andere Vorgänge könnten noch genannt werden. Unsere Welt verändert sich. Die Zeichen, von denen Jesus spricht, spüren heute auch viele Menschen. Aber seine Konsequenz ist wichtig. Er möchte die Menschen aus der Angst herausholen. Wenn das alles passiert, wenn die Veränderung sogar weh tut, dann ist es soweit, dann kann die Erneuerung beginnen. Die Haltung des Advents ist aufrecht, wachsam und bereit. Dann können wir freudig auf Weihnachten, auf das Kommen Jesu zugehen.

Montag, 9. November 2015

Was bringt die Bischofssynode?

Von 4. bis 25. Oktober 2015 fand in Rom die Sitzung der Bischofssynode über „die Berufung und Sendung der Familie in der Welt von heute“ statt. Das weltweite Interesse daran war enorm, wie wohl nie zuvor. Nun ist sie zu Ende gegangen und hat dem Papst Empfehlungen gemacht. Für manche war das Ergebnis ein hoffnungsvoller Fortschritt, für andere wieder enttäuschend. Wie ist also die Synode zu beurteilen?

Idee und Arbeitsweise der Bischofssynode
Die Bischofssynode in der heutigen Form wurde vor fünfzig Jahren im Jahr 1965 von Papst Paul VI. eingerichtet. Er folgte damit einem Wunsch des Zweiten Vatikanischen Konzils. Seither tagt die Synode regelmäßig alle drei Jahre zu bestimmten Themen. Die Synode ist nicht eine Art Konzil im Kleinformat, denn sie kann keine verbindlichen Beschlüsse fassen, wie es ein Konzil tut. Vielmehr soll sie den Papst bei der Führung der Kirche unterstützen und beraten. Am Ende werden von den Bischöfen Empfehlungen ausgesprochen und der Papst gibt nach einiger Zeit ein sogenanntes nachsynodales Apostolisches Schreiben heraus, das dann für die ganze Kirche gilt. Stimmberechtigte Mitglieder sind Bischöfe, die vor allem von den Bischofskonferenzen für jeweils eine Sitzung gewählt werden und manche vom Papst ernannte Bischöfe. Außerdem werden Vertreter anderer christlicher Kirchen und Fachleute als Gäste eingeladen. Sie arbeiten an einem Arbeitspapier, das vom Synodensekretariat vorbereitet wird, und diskutieren, welche Vorschläge sie zum Thema machen sollen. Papst Franziskus hat in seiner Amtszeit schon viele neue Akzente gesetzt, auch in Bezug auf die Bischofssynode, die dadurch sehr an Bedeutung gewonnen hat.

Die Sendung der Familie heute
Nach drei Wochen voller intensiver Diskussionen hat die Synode über Empfehlungen an den Papst abgestimmt und sie ihm übergeben. Anders als bei der außerordentlichen Sitzung voriges Jahr wurden alle 94 Punkte mit Zweidrittelmehrheit angenommen. Aber was ist nun der Fortschritt dieser Synodensitzung gegenüber früher? Hier kann ich nur meine persönliche Meinung kundtun. Denn das eigentliche Ergebnis steht noch aus. Mir scheinen drei Aspekte wichtig.
Erstens zeigt sich eine neue Perspektive. Die Frage war nicht: Wie kann in einer veränderten Gesellschaft die Lehre möglichst konstant bleiben? Sondern wie kann das Evangelium den Menschen, besonders den Familien und Paaren, in der Welt von heute helfen? Dafür muss man zuerst genau auf die Situation der Menschen schauen. Papst Franziskus hat dafür bereits 2014 eine außerordentliche Sitzung der Bischofssynode einberufen. Damit wird auch das Programm des Zweiten Vatikanischen Konzils erfüllt, das in Gaudium et spes davon spricht, dass „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute“ für die Kirche ein Ausgangspunkt ihres Wirkens in der Welt sein müssen. Denn nur so kann sie ihren Auftrag, Christus, das „Licht der Völker“, in die Welt zu tragen (so sagt es Lumen gentium) erfüllen. Das ist Pastoral, wie sie das Konzil vorstellt.
Daher hat die Synode zweitens sich intensiv mit den unterschiedlichsten Rahmenbedingungen beschäftigt, unter denen Menschen auf der ganzen Welt in Partnerschaften und Familien leben. Dabei zeigt sich, dass viele auf dem Weg sind, aber aus vielen Gründen noch nicht bis zu einer christlichen Ehe gekommen sind. Die Aufgabe der Kirche ist es, sie zu begleiten und zu unterstützen auf ihrem Weg.
Damit ist drittens eine Neubewertung der moralischen Fragen von Ehe und Familie verbunden. Viele in Europa und Nordamerika haben auf eine Antwort für die Situation von wiederverheirateten Geschiedenen gewartet. In diesem Zusammenhang waren die Diskussionen sehr heftig, wie man auch am Ergebnis der Abstimmungen sehen kann. Trotzdem konnte auch hier eine überwältigende Mehrheit sich mit dem Text identifizieren. Die Unauflöslichkeit der Ehe ist gegeben. Aber wie mit Situationen umgehen, die damit nicht in Einklang stehen? Zwei Gefahren sind zu benennen. Die einen sind rigoristisch und sagen, wenn eine solche Situation eintritt, ist nichts mehr möglich, bis das Ideal wieder in irgendeiner Weise erfüllt ist. Die anderen gehen eher von einer laxen Position aus und meinen, es ist, wie es ist, damit müsse sich die Kirche abfinden. Die Wahrheit ist aber: Jede Situation muss für sich angesehen werden. Deshalb benennt die Synode Kriterien, mit denen unter der Führung des Beichtvaters die eigene Situation im Gewissen geklärt werden könnte. Das ist gemeint, wenn vom „Forum internum“ die Rede ist.
Die Synode hat in großer Offenheit Probleme diskutiert und auch gezeigt, wie groß die katholische Weite der Meinungen ist. Aber sie hat auch gezeigt, wie die Kirche sich mit der Kraft des Evangeliums und im Blick auf die Freuden, Hoffnungen, Sorgen und Ängste der Menschen ihren Weg gehen kann.

Sonntag, 1. November 2015

Was feiern wir eigentlich an Allerheiligen?


Der 1. November ist dem Gedenken „aller Heiligen“ gewidmet. Dabei denkt man zuerst an die vielen bekannten Heiligen, deren Gedenktag wir nicht feiern können, weil das Jahr gar nicht genug Tage dafür hätte. Es sind aber auch die gemeint, von denen wir gar nichts wissen. Die meisten Heiligen wirken im Verborgenen. Vielleicht können wir es von einzelnen ahnen, doch öffentlich bekannt ist es nicht. Gott aber weiß, was sie tun.

In der Präfation zum Fest ist vom „himmlischen Jerusalem“ die Rede. Es heißt: „Dort loben dich auf ewig die verherrlichten Glieder der Kirche, unsere Brüder und Schwestern, die schon zur Vollendung gelangt sind.“ Und dann wird gesagt, dass wir als Gläubige auf dem Weg zur Vollendung sind.

Der Weg zur Heiligkeit ist für alle Christen da. Jesus möchte uns auf diesen Weg führen. Weil er heilig ist, sollen auch wir heilig werden. Allerheiligen erinnert daran, dass schon viele vor uns diesen Weg gegangen sind und dass wir die Berufung haben, selbst heilig zu werden. Niemand kann das von sich aus, aber ich kann zulassen, dass Jesus Christus mich führt.

Dienstag, 30. Juni 2015

Schöpfung und Verantwortung

Wenn heute von Schöpfung die Rede ist, denken die meisten zuerst an die Natur und die Umwelt. Die Erfahrung von Umweltzerstörung und Ressourcenverschwendung in den letzten Jahrzehnten haben das Bewusstsein dafür geschärft, dass die Welt uns Menschen nur geborgt ist und das eigene Leben ein Geschenk, für das die Menschen Verantwortung übernehmen müssen. Während sonst Sünde und Schuld eher Begriffe sind, die tunlichst vermieden werden, besteht ein Konsens, dass wir uns mit der Zerstörung der Umwelt schuldig machen, zumindest indem wir kommenden Generationen und anderen Lebewesen auf dieser Erde die Lebensmöglichkeit rauben. Die Verantwortung für die Schöpfung betrifft natürlich den Wald und bedrohte Tierarten, das Meer und den Schutz bisher unberührter Lebensräume. Umweltschutz bedeutet also die Wahrnehmung der Schöpfungsverantwortung.

Papst Franziskus hat dem ganzen Fragenkreis seine jüngste Enzyklika Lodato si gewidmet. Alle Menschen leben in dem “gemeinsamen Haus”, von dem der Papst spricht, wir alle tragen Sorge dafür. Schöpfung und Verantwortung sind ohne Zweifel untrennbare Begriffe. Denn die Erschaffung der Welt gipfelt, nach dem großen Schöpfungshymnus zu Beginn des Buches Genesis, in der Erschaffung der Welt: “Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau (wörtlich: männlich und weiblich) schuf er sie” (Gen 1,27). Damit ist der Schöpfungsauftrag an die Menschen verbunden, sich die Erde untertan zu machen (Gen 1,28), aber auch, wie es weiter unten heißt, sie zu bebauen und hüten (Gen 2,15).

Jenseits aller Naturromantik ist der Glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, auch ein Gradmesser für das Selbstverständnis des gläubigen Menschen. Denn der Glaube an Gott als Ursprung und Ziel der Schöpfung schließt auch die Überzeugung mit ein, dass ich selbst mir von Gott gegeben und daher immer wieder auf Gott als meinen Urgrund verwiesen bin. Der Mensch und die Welt stehen im Dialog mit Gott, weil sie von Gott ins Dasein gerufen sind und gerufen sind, Antwort zu geben. Die Antwort der Schöpfung ist ihre Schönheit und Vielfalt. Die Antwort der Menschen ist ihr aktives Mittun an der Weiterentwicklung in Freiheit. Mit der Rede von der Schöpfung ist also immer das Menschsein wesentlich angesprochen.