Donnerstag, 19. März 2015

Donnerstag der 4. Fastenwoche (Hl. Josef), 19. März 2015

8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen
Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder!
Lk 22,27-28

Das Leid, das sie sehen, bewegt diese Frauen. Es ist ein Zeichen von Menschlichkeit, sich vom Schmerz anderer berühren zu lassen. Aber es muss noch mehr geben. Worauf kommt es wirklich an? Jesu Leid steht in einem größeren Zusammenhang. Er leidet an der Sünde der Menschen, mit der wir uns oft abgefunden haben. So weist er die Frauen darauf hin: Schaut auf euch selbst!

Mittwoch, 18. März 2015

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Im Alltag leben wir gut mit der Annahme, die Wirklichkeit, die uns umgibt, sei für alle dieselbe. Das setzt voraus, dass meine Erkenntnis der Wirklichkeit auch entspricht. Wenn das so ist, dann können die verschiedenen Zugänge, etwa naturwissenschaftliche, theologische, philosophische oder praktische, im Grunde nicht widersprüchlich sein, weil sie sich ja auf dieselbe Wirklichkeit richten.

Das ist als Gedanke bestechend und meiner Ansicht nach im Grunde auch richtig. Nichtsdestoweniger ist es problematisch. Denn ganz gleich wie, ich untersuche nie die Wirklichkeit selbst, ja nehme sie auch nicht wahr. Ich nehme meine Perspektive wahr und untersuche ein Objekt, das ich selbst zuerst gesetzt habe. Ein obiectum, lateinisch von obicere, entgegensetzen, ist das mir selbst Gegenübergestellte. Eine Sache kann also erst untersucht werden, wenn ich selbst mit meiner Vernunft (dem intellectus agens, wie die klassische Philosophie sagt) sie mir zum Objekt gemacht habe. Soll aber eine Sache gemeinsam untersucht werden, braucht es auch ein gemeinsames Objekt. Das heißt, wir müssen uns vor der Diskussion schon zumindest im Ansatz einigen, was Gegenstand der Untersuchung sein wird.

Was aber ist die Wirklichkeit? Sicher deckt sie sich nicht mit meiner Wahrnehmung davon, denn es ist klar, dass meine Wahrnehmung sich beständig ändert, wenn ich nach neuen Erfahrungen suche. Aber ich habe die Wirklichkeit nie in anderer Weise, denn als wahrgenommene und reflektierte Wirklichkeit zur Verfügung. Auf den Punkt gebracht hat das George Berkley mit dem Hinweis, Sein ist immer wahrnehmen (esse est percipi), das G.W.F. Leibniz aufgenommen und verfeinert hat mit der Rede von der Apperzeption. Über diese Perzeptionen können wir uns miteinander austauschen und sie vergleichen. Dabei ist aber immer die stillschweigende Voraussetzung gemacht, dass alle Wahrnehmungen derselben Wirklichkeit vergleichen. Das ist strenggenommen ein Postulat, denn beweisen lässt sich das nicht. Es ist allerdings notwendig, weil sonst keine vernünftige Kommunikation möglich wäre.

Es ist also sinnvoll, eine gemeinsame Wirklichkeit anzunehmen, der wir uns auf je verschiedene Weise nähern. Dann und nur dann ist über die unterschiedlichen Zugänge ein vernünftiger Diskurs möglich. Dabei ist aber Behutsamkeit geboten, denn die kritischen Anfragen, die an dieses Konzept gestellt werden, müssen ernsthaft bedacht werden.

Mittwoch der 4. Fastenwoche, 18. März 2015

7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet. Alle, die mich sehen, verlachen mich, verziehen die Lippen, schütteln den Kopf.
Ps 22,7-8

Ein zweiter Fall. Die Zuschauer am Wegrand denken: Wir haben es ja schon gewusst. Er ist selbst schuld, hätte er doch etwas aufgepasst, sich zurückgehalten und nicht provoziert. Abschätzige Vorurteile richten sich oft gegen die Schwächsten, gegen die, die ohnehin schon am Boden liegen.

Dienstag, 17. März 2015

Dienstag der 4. Fastenwoche, 17. März 2015

6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
Mein Herz denkt an dein Wort: «Sucht mein Angesicht!» Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.
Ps 27,8

Veronika, die aus der Tradition bekannt ist, reicht Jesus ein Tuch, um sich den Schweiß abzuwischen. Sie lässt sich anrühren und möchte etwas für ihn tun. Sie blickt in sein Antlitz und prägt es sich ein. Das Gesicht Jesu am Kreuzweg ist ein zerschundenes, leidendes. Sie sucht den Blick Jesu, auch wenn alle anderen lieber wegsehen.

Montag, 16. März 2015

Montag der 4. Fastenwoche, 16. März 2015

5. Station: Simon hilft Jesus das Kreuz tragen
Einen Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Zyrene, den Vater des Alexander und des Rufus, zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.
Mk 15,21

Keiner will mit Jesus solidarisch sein. Daher wird einer gezwungen, der gerade vorbeikommt. Wo sind die, die freiwillig anderen helfen ihr Kreuz zu tragen?

Sonntag, 15. März 2015

4. Fastensonntag, 15. März 2015

In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodemus: Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat. Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.
Joh 3,14-21

Nikodemus ist ein Pharisäer und Mitglied des Hohen Rates, ein frommer Jude, der an Jesu Botschaft Gefallen gefunden hat. In der Nacht sucht er ihn auf, weil er Angst hat, sein Engagement könnte bekannt werden. In der Nacht erläutert Jesus gewissermaßen sein Programm. Er kommt, um die Welt von der Sünde zu befreien, Versöhnung und Heil zu bringen, alle zu sammeln, die im Guten mit ihm gehen wollen. Die Frage ist: Traut Nikodemus Jesus das zu? Traue ich Jesus zu, dass er mein Leben zum Guten führt?

Samstag, 14. März 2015

Samstag der 3. Fastenwoche, 14. März 2015

4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter
Simeon sagte zu Maria: Er (Jesus) wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird … Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.
Lk 2,34-35

Maria muss das Leid ihres Sohnes machtlos mitansehen. Sie hat für die ganze Welt die Berufung angenommen, die Mutter des Erlösers zu werden, und Jesus zur Welt gebracht. Jetzt steht sie für alle, die mit Jesus gehen und an seinem Weg Anteil nehmen, gemeinsam mit allen, die das Leid derer erleben müssen, die ihnen nahestehen.