Freitag, 13. März 2015

Freitag der 3. Fastenwoche, 13. März 2015

3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
Doch als ich stürzte, lachten sie und taten sich zusammen. Sie taten sich gegen mich zusammen wie Fremde, die ich nicht kenne. Sie hören nicht auf, mich zu schmähen; sie verhöhnen und verspotten mich, knirschen gegen mich mit den Zähnen.
Ps 35,15-16

Das Kreuz ist schwer und Jesus fällt unter der Last. Niemand fällt gerne. Wer stürzt, macht sich lächerlich. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der Fehler nicht erlaubt sind. Alles und alle sollen perfekt sein. Jesus hat das Reich Gottes verkündet, in dem immer Umkehr und Neuanfang möglich ist. So wie er wieder aufsteht, um das Kreuz weiterzutragen, sollen auch die weitergehen, die ihm nachfolgen.

Donnerstag, 12. März 2015

Donnerstag der 3. Fastenwoche, 12. März 2015

2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur so genannten Schädelhöhe, die auf hebräisch Golgota heißt.
Joh 19,17

Jesus trägt sein Kreuz, wie es damals üblich war, selbst. Er geht seiner eigenen Hinrichtung entgegen. Wer als Christ das Kreuz sieht, kann nicht mehr unbeteiligt bleiben. Jesus hat doch deutlich gesagt: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mk 8,34). Denn „wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht würdig“ (Mt 10,38). Sein eigenes Kreuz annehmen heißt, annehmen was getan und getragen werden muss.

Mittwoch, 11. März 2015

Mittwoch der 3. Fastenwoche, 11. März 2015

1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt
Pilatus ließ, um die Menge zufrieden zu stellen, Barabbas frei und gab den Befehl, Jesus zu geißeln und zu kreuzigen.
Mk 15,15

Jesus wird verurteilt. Ein Urteil ist schnell gefällt, und leicht wird es zur Verurteilung. Ob in den Medien, den Zeitungen, dem Fernsehen, dem Internet oder im privaten Bereich: Oft wird mit dem Finger auf Menschen gezeigt. Der Hohe Rat liefert Jesus aus und Pilatus verurteilt ihn, damit sie einen Schuldigen zu haben. Die ganze Last soll auf ihn abgewälzt werden.

Dienstag, 10. März 2015

Dienstag der 3. Fastenwoche, 10. März 2015

Dann hast du Freude an rechten Opfern, an Brandopfern und Ganzopfern, dann opfert man Stiere auf deinem Altar.

Ps 51,21

Umkehr, Sündenvergebung und innere Erneuerung bringen letztlich Freude. Wenn ich von der Last meiner Schuld befreit bin, kann ich vor Gott hintreten. Dann ist ein echter und gelungener Gottesdienst möglich, dann konnten die Israeliten im Tempel ihre vorgeschriebenen Opfer darbringen, dann können wir heute die Eucharistie feiern.

Montag, 9. März 2015

Die Grundfragen des Menschseins

Theologie muss immer bei den menschlichen Grundfragen ansetzen. Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn des Lebens? So hat Kardinal Franz König diese immer wieder zusammengefasst. Grund-Fragen sind sie deshalb, weil sie dem Menschsein auf den Grund gehen und weil sie jeder Mensch sich selbst immer wieder stellen muss. Man kann sie vorübergehend abweisen, aber nicht vermeiden. Sie drängen sich immer wieder auf.

Woher komme ich? Die erste Frage schließt ein Postulat in sich. Ich bin ein gekommener, ich habe ein Woher, ich habe mich nicht selbst gemacht. Ich verdanke mich anderen, anderen Menschen. Ich habe einen Ursprung, der ich nicht selbst bin. Mein Wissen stammt nicht aus mir, einen kleinen Teil habe ich selbst erfahren, erarbeitet, verstanden, vieles habe ich von anderen gelernt (hoffentlich nicht abgeschrieben). Jede und jeder ist immer schon von anderen her. Im Glauben nennen wir dieses Woher allgemein Gott, aber das ist schon ein Ausgriff auf Thomas von Aquin. Die Rückfrage auf den eigenen Ursprung zeigt, dass dieser Ursprung sich immer entzieht und nur in diesem Modus unserer Erkenntnis zugänglich ist. Ich kann mich zu meinem Ursprung in gewisser Weise verhalten, kann ihn im letzten aber nicht erreichen.

Wohin gehe ich? Das Leben ist immer schon dynamisch. Was heute ist, wird morgen nicht mehr sein. Der menschliche Blick richtet sich nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch nach vorne. Zur menschlichen Erfahrung gehört zentral, dass das Leben immer schon auf eine Ganzheit zugeht. Dann aber richtet sich der Blick immer weiter nach vorne. Die Frage, wohin mein Weg führt, kann nicht damit beantwortet werden, dass es Grenzen in der Frage gibt. Die Frage sprengt den Raum des Empirischen genauso wie die Frage nach dem Ursprung. Auch das Ende entzieht sich.

Was ist der Sinn des Lebens? Sinn ist ein Wort, das Richtung ausdrückt. Der Uhrzeigersinn ist eine uns allen bekannte Richtung. Hat mein Leben überhaupt eine Richtung? Oder geht es ziellos hin und her? Läuft es zyklisch im Kreis? Oder kann ich auf eine Vollendung hoffen? Das hat unmittelbare Relevanz für mein Handeln. Freilich ist die Richtung eines Lebens nicht messbar. Sie besteht nicht zuletzt in meinen Entscheidungen und Motiven. Aber ich kann mich selbst überzeugen, dass mein Leben Sinn hat und nicht einfach Stückwerk bleibt, wenn ich es in dem Sinn haben lasse, der den Glauben erfüllt.

Montag der 3. Fastenwoche, 9. März 2015

In deiner Huld tu Gutes an Zion; bau die Mauern Jerusalems wieder auf!

Ps 51,20

Echte Erneuerung kommt immer von Gott. Ich kann mich bemühen, meine Mauern instandzuhalten, aber wieder aufbauen, was durch Sünde und Unfriede zerbrochen ist, gelingt nur mit der Hilfe Gottes.

Sonntag, 8. März 2015

3. Fastensonntag, 8. März 2015

Das Paschafest der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus, und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich. Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte. Während er zum Paschafest in Jerusalem war, kamen viele zum Glauben an seinen Namen, als sie die Zeichen sahen, die er tat. Jesus aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen; denn er wusste, was im Menschen ist.
Joh 2,13-25

Der Tempel war für die Juden sehr wichtig als besonderer Ort der Gegenwart Gottes. Das kritisiert Jesus auch gar nicht. Aber er “ereifert sich” für das Haus Gottes. Wir sehen Jesus emotional, wie aufgeregt die herrschende Praxis bekämpft. Es geht nicht um die Religiosität an sich, sondern um die richtige Balance. Nicht die äußeren Riten machen unseren Glauben aus, sondern die innere Haltung und das persönliche Bemühen. Der Gottesdienst muss damit in Einklang stehen. Und das ist eine schwere Aufgabe, wie mir immer wieder bewusst wird. Die Jünger haben das zunächst auch nicht verstanden oder für wichtig gehalten, erst nach der Auferstehung haben sie bemerkt, was es bedeutet, dass Jesus den Tempel wieder aufrichten will. Gott hat ihn, der für uns der Tempel ist, zum neuen Leben auferweckt.