Montag, 9. März 2015

Die Grundfragen des Menschseins

Theologie muss immer bei den menschlichen Grundfragen ansetzen. Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn des Lebens? So hat Kardinal Franz König diese immer wieder zusammengefasst. Grund-Fragen sind sie deshalb, weil sie dem Menschsein auf den Grund gehen und weil sie jeder Mensch sich selbst immer wieder stellen muss. Man kann sie vorübergehend abweisen, aber nicht vermeiden. Sie drängen sich immer wieder auf.

Woher komme ich? Die erste Frage schließt ein Postulat in sich. Ich bin ein gekommener, ich habe ein Woher, ich habe mich nicht selbst gemacht. Ich verdanke mich anderen, anderen Menschen. Ich habe einen Ursprung, der ich nicht selbst bin. Mein Wissen stammt nicht aus mir, einen kleinen Teil habe ich selbst erfahren, erarbeitet, verstanden, vieles habe ich von anderen gelernt (hoffentlich nicht abgeschrieben). Jede und jeder ist immer schon von anderen her. Im Glauben nennen wir dieses Woher allgemein Gott, aber das ist schon ein Ausgriff auf Thomas von Aquin. Die Rückfrage auf den eigenen Ursprung zeigt, dass dieser Ursprung sich immer entzieht und nur in diesem Modus unserer Erkenntnis zugänglich ist. Ich kann mich zu meinem Ursprung in gewisser Weise verhalten, kann ihn im letzten aber nicht erreichen.

Wohin gehe ich? Das Leben ist immer schon dynamisch. Was heute ist, wird morgen nicht mehr sein. Der menschliche Blick richtet sich nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch nach vorne. Zur menschlichen Erfahrung gehört zentral, dass das Leben immer schon auf eine Ganzheit zugeht. Dann aber richtet sich der Blick immer weiter nach vorne. Die Frage, wohin mein Weg führt, kann nicht damit beantwortet werden, dass es Grenzen in der Frage gibt. Die Frage sprengt den Raum des Empirischen genauso wie die Frage nach dem Ursprung. Auch das Ende entzieht sich.

Was ist der Sinn des Lebens? Sinn ist ein Wort, das Richtung ausdrückt. Der Uhrzeigersinn ist eine uns allen bekannte Richtung. Hat mein Leben überhaupt eine Richtung? Oder geht es ziellos hin und her? Läuft es zyklisch im Kreis? Oder kann ich auf eine Vollendung hoffen? Das hat unmittelbare Relevanz für mein Handeln. Freilich ist die Richtung eines Lebens nicht messbar. Sie besteht nicht zuletzt in meinen Entscheidungen und Motiven. Aber ich kann mich selbst überzeugen, dass mein Leben Sinn hat und nicht einfach Stückwerk bleibt, wenn ich es in dem Sinn haben lasse, der den Glauben erfüllt.

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