Montag, 3. März 2014

Lilien und Vögel, Spaß und Freude?

Regelmäßig im Fasching gehen die Verantwortlichen für Katechese und Gottesdienstgestaltung auf die Suche nach Bibeltexten, die scheinbar zum Fasching passen, weil sie einfach die Freude thematisieren. Der Suche folgt immer eine gewisse Enttäuschung. Denn die Bibel kennt keine grundlose Freude, sondern spricht immer von der Freude an etwas.
Der Text, der meist verwendet wird, auch mit Rückbezug auf den hl. Franz von Assisi, ist Jesu Vergleich mit den Lilien am Feld und den Vögeln am Himmel (Mt 6,19-34). “Macht euch keine Sorgen!”, heißt es da. Gott sorgt für euer Leben, er wird euch geben, was nötig ist. Darüber könntet ihr euch freuen. Zwar kommt das Wort Freude nicht vor, aber der Schluss ist wohl zulässig. Die Freude am Reich Gottes holt die Christen aus der Plage des Alltags heraus, weil sie auf Gott blicken können und deshalb wissen, dass ihre täglichen Sorgen nicht alles sind. Dann sind die Sorgen an ihren richtigen Platz verwiesen, man wird sich darum kümmern, aber nicht darin aufgehen. Damit entsteht ein Raum der echten Freude.
Im Buch Nehemia gibt es die berühmte Stelle: “Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am HERRN ist eure Stärke!” (Neh 8,10). Die Israeliten sind aus dem Exil heimgekehrt. Sie bauen langsam Jerusalem und den Tempel. Sie hören nun gemeinsam eine feierliche Lesung aus dem Gesetz des Mose. Es beginnt so etwas wie eine religiöse Normalität. Die Feste werden wieder gefeiert. Allerdings will die Freude nicht so recht aufkommen, weil viele noch den Glanz und die Größe des alten Tempels und des alten Jerusalem in Erinnerung haben. Das neue musste eben aus Kostengründer kleiner und schlichter sein. Wird das gehen?, fragen sich die Leute. Ja, ist die Antwort, weil Gott mit uns ist. Die Verzweiflung wird dort besonders stark, wo der Grund der Freude in Vergessenheit gerät, nämlich Gott selbst.
Freude ist nicht Spaß. Der lässt sich erzeugen, für den muss man Geld ausgeben und sich selbst darauf einstimmen, mit Unterhaltung aus der Konserve, Krapfen oder Sekt. Das hat alles seinen Sinn. Aber wenn die Unterhaltung nicht zu einer echten Freude beiträgt, die im Sinngefüge meines Lebens ihren Platz hat, dann wird der Kater am Aschermittwoch umso größer sein.

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