Sonntag, 14. Mai 2017

Warum beten wir im Vaterunser: „und führe uns nicht in Versuchung“? Führt Gott uns etwa in Versuchung?

Das Vaterunser wird gebetet, weil Jesus selbst es seine Jünger gelehrt hat. Deshalb hat es für alle Christen höchste Bedeutung. Die verwendete Fassung geht auf das Matthäusevangelium zurück (6,9-13). Die Übersetzung der Bitte: „führe uns nicht in Versuchung“ aus dem Griechischen ist genau. Etwas freier könnte man sagen: „Lass uns nicht in Versuchung geraten!“, oder: „Lass uns nicht der Versuchung erliegen, führe uns nicht auf den Weg der Versuchung!“

Zum Menschsein in Freiheit gehört die Versuchung dazu, sonst wäre die Freiheit nicht echt. Das Böse erscheint oft viel verlockender, einfacher und attraktiver als das Gute. Das ist aber nicht so zu verstehen, als hätte Gott Freude an der Versuchung der Menschen oder würde uns prüfen. Sondern die Versuchung ist Teil des Lebens, sie hängt mit den menschlichen Schwächen zusammen. Dann könnte die Bitte so gemeint sein: „Wenn die Versuchung kommt, führe mich bitte nicht hinein sondern vorbei!“ Eine andere Deutung sagt: „Führe mich auch in der Versuchung, damit ich ihr nicht erliege!“

Sonntag, 23. April 2017

Wie kann Gott zugleich gerecht und barmherzig sein?

Nach der einfachen menschlichen Vorstellung können Gerechtigkeit und Barmherzigkeit nicht gleichzeitig existieren. In dieser Vorstellung bedeutet Gerechtigkeit, dass ein Übeltäter zu bestrafen ist, wie er es verdient hat. Barmherzigkeit hingegen bedeutet, mit dem, der straffällig geworden ist, Erbarmen zu haben, über das Böse hinwegzusehen, auch um den Preis, dass die Opfer vergessen werden. Während die Gerechtigkeit auf diese Weise ziemlich kalt wirken kann, ja manchmal wie eine Art gesetzlich erlaubter Rache, erscheint Barmherzigkeit eher ein wenig dumm, als wollte man bewusst nicht sehen, was geschehen ist.

Paulus spricht aber immer wieder von der Gerechtigkeit Gottes, die anders ist als unsere menschliche. Sie möchte nicht bestrafen, sondern das Recht wieder erneuern. Die Sünde soll nicht vergessen, sondern vergeben werden. Nur dann ist Versöhnung möglich. Das ist eigentlich Barmherzigkeit: den Weg zur Versöhnung gehen, zu einem echten Neuanfang. Und das ist die wahre Gerechtigkeit.

Sonntag, 5. Februar 2017

Wie modern soll der Glaube sein?

Auf diese Frage lassen sich zwei Antworten geben. Erstens ist der Glaube scheinbar gar nicht modern, sondern ziemlich alt. Er fängt mit der Begegnung mit Jesus von Nazareth an, der vor über 2000 Jahren geboren wurde, und hängt mit dem noch viel älteren Glauben Israels zusammen. Das Buch des Glaubens, die Bibel, ist ein altes Buch.

Zweitens muss der Glaube modern sein, denn er hat mit Erfahrungen zu tun, die höchst aktuell sind. Die Bibel kann nur überzeugen, wenn Menschen sich selbst und ihre Erfahrungen darin wiederfinden. Die Theologie muss daher eine moderne Sprache sprechen.
 

Schließlich ist der Glaube dadurch modern, dass er unmodern ist, weil er sich gegen den Zeitgeist wendet. Wenn sich heute Menschen fragen: Dürfen wir alles tun, was technisch möglich ist? Dürfen wir andere Menschen oder die Umwelt für unsere Zwecke ausbeuten? und der Glaube Ideen, die diese Fragen mit Ja beantworten, widerspricht, scheint er zwar zuerst unmodern, ist dann aber in seinem Widerspruch modern und zeigt die Richtung zu einem gelungenen Leben.

Sonntag, 18. Dezember 2016

Vierter Adventsonntag, Lesejahr A (18. Dez. 2016)

Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. (Mt 1,20-21)

Josef, der Gerechte, sucht nach einem Ausweg, der möglichst alle vor Schwierigkeiten bewahrt. Wer sich aber auf Gott einlässt, sollte keine Angst haben. Kaum ein Wort findet sich so oft in der Bibel wie: “Fürchte dich nicht!” Gott wird alle erlösen, die mit ihm gehen, die sich Jesus anvertrauen. In einer Welt, die das Evangelium allzu oft nicht versteht, die Gläubigen manchmal anfeindet, in einer Situation, die von Schwäche und Sünde regiert ist, sagt Gott: Lass zu, dass Jesus zu dir kommt, in dein Leben.

Montag, 12. Dezember 2016

Dritter Adventsonntag, Lesejahr A (11. Dez. 2016)

Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. (Mt 11,4-5)

Die Botschaft Jesu, das Evangelium vom Reich Gottes ist keine Sensation, die die Massen im Moment emotional begeistert. Es ist eine Heilsbotschaft für die Armen, Kranken und Leidenden. Wo das Gute geschieht und das Leid gelindert wird, da ist das Evangelium lebendig. Jesus kommt zu allen Menschen, besonders aber zu denen, die ihn brauchen und Hilfe annehmen können.

Zweiter Adventsonntag, Lesejahr A (4. Dez. 2016)

Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. (Mt 3,11-12)

Johannes der Täufer zeigt den Menschen, dass die Umkehr notwendig ist, jetzt. Es ist ernst. Die Taufe mit dem Heiligen Geist und mit Feuer verändert die Welt, danach ist nichts mehr, wie es war. Das Gute wird offensichtlich und das Böse. Wenn ich es ernst meine, muss ich mich um das Gute in meinem Leben bemühen und das Böse meiden.

Sonntag, 27. November 2016

Erster Adventsonntag, Lesejahr A (27. Nov. 2016)

Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. (Mt 24,43-44)


In Zeiten voll von Krieg, Terror, wirtschaftlicher Verunsicherung soll man vorsichtig sein, wenn man von apokalyptischen Zeichen spricht. Sie machen Angst, zeigen aber keine Perspektiven. Die apokalyptischen Reden Jesu im Evangelium wollen keine Angst machen, sondern Zeichen der Hoffnung sein. Zur Hoffnung gehört aber auch das Bewusstsein, dass das Leben ernst ist. Das wichtigste Wort des Advent ist daher der Ruf Jesu: Seid wachsam! Geht mit offenen Augen durch die Welt. Dann seid ihr für Jesu Kommen bereit. Um diese Aufmerksamkeit geht es im Advent.