Sonntag, 30. November 2025

Seid wachsam!

Impuls zum 1. Adventsonntag, 30. November 2025

Denn wie es in den Tagen des Noach war, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in jenen Tagen vor der Flut aßen und tranken, heirateten und sich heiraten ließen, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein. Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die an derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt dies: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. (Mt 24,37–44)

Das Evangelium ist nicht harmlos. Die Botschaft ist ernst. Es ist nicht gleichgültig, was ich tue. Vielmehr kommt es darauf an, wie ich mich verhalte, ob ich mich in der Welt positiv engagiere, schlecht handle oder gar nichts tue, ob ich für die Begegnung mit Gott, dem Schöpfer und Herrn der Welt, bereit bin oder nicht. Auf den Herrn zu warten bedeutet nicht, Angst zu haben. Das Evangelium spricht davon, eine wachsame erwartungsvolle Haltung einzunehmen. Der Herr, der kommen soll, ist niemand anderer als Jesus selbst, der dir und mir begegnen will. Der Advent gibt die Gelegenheit, jetzt schon Jesus in den anderen Menschen zu begegnen, die Hilfe brauchen oder denen die persönliche Begegnung gut tut.

Warten auf den Herrn

Impulse zum Advent 2025


Warten wird von vielen Menschen heute als Zumutung empfunden. Wir sind daran gewöhnt, alles sofort bekommen zu können. War früher die Zeit vor Weihnachten noch vom Weg in Geschäfte geprägt, wo man hoffte, Geschenke kaufen zu können, sind es jetzt die großen Online-Händler, die einen Einkauf (fast) ohne Warten versprechen. Für Kinder ist das Warten auf Weihnachten besonders schwer, ist doch die Vorfreude so groß. Die mangelnde Bereitschaft, auf etwas Gutes eine angemessene Zeit lang zu warten, hängt mit der Unzufriedenheit einer Gesellschaft zusammen, in der die meisten Bedürfnisse leicht gestillt werden können.

Warten bedeutet auch, die Unsicherheit auszuhalten. Davon gibt es heute viele. Kriege, Handelskonflikte, wirtschaftliche Krisen, die Klimakrise oder die weltweiten Migrationsbewegungen sind auch in Mitteleuropa deutlich spürbar. Wo das Leben vor wenigen Jahren noch selbstverständlich sicher war, ist es jetzt von vielen Unwägbarkeiten geprägt. Die eigene Machtlosigkeit wird spürbar. Zu warten bedeutet aber nicht, untätig herumzusitzen und die Verantwortung anderen zuzuschieben. Es bedeutet auch, zuzulassen, dass sich Lösungen entwickeln, die vielleicht vorher nicht sichtbar waren. Dafür sind Vertrauen und Zuversicht nötig, Haltungen, die der Glaube schenken kann.

Der Advent ist die Zeit des Wartens auf die Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn. In der Heiligen Schrift ist oft davon die Rede. Die Erwartung der Wiederkunft prägt den christlichen Glauben, auch wenn dieser Aspekt heute oft nur in kleinen christlichen Gruppen im Vordergrund steht. Warten zu können bedeutet hier, gegen den Zeitgeist anzugehen. Wir leben im Glauben, dass der Sohn Gottes Mensch wird, vor 2000 Jahren im Heiligen Land, heute hier bei uns. Das kann aber nur gelingen, wenn wir bereit sind, sein Kommen zuzulassen und die Haltung des Wartens einzunehmen.

Die Impulse zu den Tagen des Advent sind Einladungen zu einem kurzen Innehalten auf dem Weg zum Fest der Geburt Jesu Christi. Kurze Bibelstellen sind verbunden mit jeweils einem Gedanken. Mögen sie das Warten erleichtern.



Freitag, 21. November 2025

Gottesrede heute

(Hafen von Limerick, Irland, profanierter Kirchturm, 
eigenes Foto, 2009)

 

Von Gott wird gesprochen, auch heute. Die Gottesrede muss also nicht erst neu eingeführt werden, sondern ist schon lebendig. Das Wort Gott, im Singular und ohne Artikel verwendet, hat einen unaufgebbaren Sinn, der sich nicht mit irgendeiner Umschreibung erreichen lässt. Gott bedeutet etwas, denn Gott bedeutet uns etwas. Das ist die Sicht gläubiger Menschen. 

Andere kritisieren die Gottesrede und meinen heute meist Glaubensinstitutionen und Gläubige. Schlimmer als die Kritik, mit der sich der Glaube auseinandersetzen kann, ist aber, wenn niemand mehr von Gott spricht. Das größte Problem für die Gottesrede heute ist die Gleichgültigkeit. Das Wort Gott kommt kaum mehr vor. Kann es sein, dass mit dem Verschwinden der Rede auch die damit angesprochene Sache selbst verschwindet?

Es gibt genügend Gründe, nicht von Gott zu sprechen. Zu oft und zu lange ist über Gott unangemessen geredet worden, zu viele Worte wurden gemacht, viel zu oft wurde das Wort Gott für eigene Interessen gebraucht. Vielfach ist das Wort missbraucht und gegen Menschen eingesetzt worden. Gerade deshalb aber dürfen wir es nicht preisgeben.

Es gibt ausreichend Anlass, vorsichtig mit dem Wort Gott umzugehen. Jede vorschnelle Berufung darauf, was Gott will, könnte ein Versuch sein, Gott für die eigenen Wünsche und Interessen zu vereinnahmen. Jeder Versuch, Gott zu definieren oder gar beweisen zu wollen, könnte letztlich darauf abzielen, Gott zu einem verfügbaren Teil dieser Welt zu machen und damit seines Gottseins zu berauben. Das Wort Gott ist da und wird verwendet, und doch kommt es darauf an, bei aller Gottesrede Gott immer Gott sein zu lassen. Denn eine gut fundierte Gottesrede ist heute absolut notwendig.

Mehr davon ab Jänner 2026: https://shop.verlagsgruppe-patmos.de/dreifaltig-303328.html 

Mittwoch, 19. November 2025

Dreifaltig – Den christlichen Gottesglauben verstehen

 


https://shop.verlagsgruppe-patmos.de/dreifaltig-303328.html  

Im Jänner 2026 wird mein neues Buch erscheinen, das dem Glauben an Gott, den einen und dreifaltigen, gewidmet ist. In einigen Beiträgen hier sollen kleine Passagen einen Vorgeschmack auf das Buch geben.

Die Rede von Gott ist heute nicht selbstverständlich. Anders als in früheren Epochen gibt es heute kein gemeinsames Grundverständnis davon, dass Gott ist und wie der Begriff Gott verstanden werden soll. Ja, auch die Frage nach Gott scheint heute nicht mehr gestellt zu werden. Für Gläubige ist sie wesentlich, und doch wird viel öfter über Strukturfragen, mediale Wahrnehmungen, das Bild der Kirche und über die Attraktivität kirchlichen Handelns als über Gott gesprochen.

Wer von Gott sprechen will, muss zuerst lernen, nach Gott zu fragen, muss lernen, die Frage nach Gott zuzulassen. Gerade weil Gott für den Glauben selbstverständlich erscheint, ist die Rede von Gott alles andere als selbstverständlich.

Theologie hat die Aufgabe, die angenommene Selbstverständlichkeit bei der Rede vom Glauben an Gott zu hinterfragen. Nur dann kann sich ein Tor zum Verstehen des Glaubens und der christlichen Botschaft eröffnen.