Wenn
man aus der Kirche Ausgetretene fragt, wie es jetzt um ihren Glauben
steht, dann sagen viele: “Mein Glaube bleibt, daran hat sich nichts
geändert.” Aber meinen sie damit den Glauben der Kirche, den Glauben an
den Dreifaltigen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist? Wenn
sie diesen Glauben teilen, wie können sie dann öffentlich, vor einer
staatlichen Stelle, mit einer schriftlichen Urkunde, sagen: Der
Gemeinschaft, die das glaubt, will ich nicht mehr angehören? Oder hatten
sie den Glauben vielleicht ohnehin schon vorher nicht mehr? Dann müsste
man doch sagen, der Glaube, den sie vorher hatten und jetzt noch immer
haben, war nicht der christliche Glaube. Doch halt, bevor irgendjemandem
Glaube abgesprochen wird oder auch der Kirchenaustritt verharmlost! Ich
frage grundsätzlicher: Was bedeutet es überhaupt, dass die Gläubigen in
der Gemeinschaft der Katholischen Kirche einen gemeinsamen Glauben
haben?
Wer
getauft wird, muss sich zum gemeinsamen Glauben bekennen, indem der die
Fragen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses mit “Ich glaube”
beantwortet. Sicher, bei den meisten haben das noch die Eltern getan,
doch ehrlich, wir hatten bei Erstkommunion, Firmung, in der Osternacht
und an jedem Sonntag genug Gelegenheit, das nachzuholen und zu erneuern.
Die Kirche ist eine Glaubensgemeinschaft. Seit es in Mitteleuropa nicht
mehr selbstverständlich ist, katholisch zu sein, seit die
konstantinische, staatlich gestützte Religiosität zu Ende geht, wird das
jeden Tag deutlicher. Natürlich gibt es vielerlei andere Gründe und
Anlässe, die Menschen zur Kirche bringen: Vorbilder, die schöne
Liturgie, das Gemeinschaftsgefühl, das soziale Engagement etc. Das ist
alles wertvoll. Aber es muss zum gemeinsamen Glauben führen, denn sonst
trägt es nicht.
Dieser
gemeinsame Glaube hat es nicht zuerst mit irgendwelchen Dingen oder
Sätzen zu tun, sondern mit Gott selbst, mit dem Vater, dem Sohn und dem
Heiligen Geist. Aus der gemeinsamen Erfahrung der Begegnung mit dem
lebendigen Dreifaltigen Gott durch die Geschichte der Kirche ist das
Glaubensbekenntnis gewachsen. Diese Erfahrung ist der große Schatz der
Kirche, aus dem sie jeden Tag neu lebt. In diesen Schatz bringen auch
heute noch die Gläubigen ihre eigene Glaubenserfahrung ein. Das geht
aber nur in der gemeinsamen Auseinandersetzung mit dem Glauben. “Ich
glaube” zu sagen bedeutet auch, sich immer wieder neu fragen zu lassen:
“Glaubst du wirklich?”, “Was glaubst du?” Wer zur Kirche dazu gehört,
beantwortet diese Fragen, vielleicht nicht immer leicht, aber immer
gerne, weil der Glaube ein persönliches Anliegen ist.
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