Donnerstag, 9. Oktober 2014

Ich glaube - glaubst du?

Wenn man aus der Kirche Ausgetretene fragt, wie es jetzt um ihren Glauben steht, dann sagen viele: “Mein Glaube bleibt, daran hat sich nichts geändert.” Aber meinen sie damit den Glauben der Kirche, den Glauben an den Dreifaltigen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist? Wenn sie diesen Glauben teilen, wie können sie dann öffentlich, vor einer staatlichen Stelle, mit einer schriftlichen Urkunde, sagen: Der Gemeinschaft, die das glaubt, will ich nicht mehr angehören? Oder hatten sie den Glauben vielleicht ohnehin schon vorher nicht mehr? Dann müsste man doch sagen, der Glaube, den sie vorher hatten und jetzt noch immer haben, war nicht der christliche Glaube. Doch halt, bevor irgendjemandem Glaube abgesprochen wird oder auch der Kirchenaustritt verharmlost! Ich frage grundsätzlicher: Was bedeutet es überhaupt, dass die Gläubigen in der Gemeinschaft der Katholischen Kirche einen gemeinsamen Glauben haben?

Wer getauft wird, muss sich zum gemeinsamen Glauben bekennen, indem der die Fragen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses mit “Ich glaube” beantwortet. Sicher, bei den meisten haben das noch die Eltern getan, doch ehrlich, wir hatten bei Erstkommunion, Firmung, in der Osternacht und an jedem Sonntag genug Gelegenheit, das nachzuholen und zu erneuern. Die Kirche ist eine Glaubensgemeinschaft. Seit es in Mitteleuropa nicht mehr selbstverständlich ist, katholisch zu sein, seit die konstantinische, staatlich gestützte Religiosität zu Ende geht, wird das jeden Tag deutlicher. Natürlich gibt es vielerlei andere Gründe und Anlässe, die Menschen zur Kirche bringen: Vorbilder, die schöne Liturgie, das Gemeinschaftsgefühl, das soziale Engagement etc. Das ist alles wertvoll. Aber es muss zum gemeinsamen Glauben führen, denn sonst trägt es nicht.

Dieser gemeinsame Glaube hat es nicht zuerst mit irgendwelchen Dingen oder Sätzen zu tun, sondern mit Gott selbst, mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Aus der gemeinsamen Erfahrung der Begegnung mit dem lebendigen Dreifaltigen Gott durch die Geschichte der Kirche ist das Glaubensbekenntnis gewachsen. Diese Erfahrung ist der große Schatz der Kirche, aus dem sie jeden Tag neu lebt. In diesen Schatz bringen auch heute noch die Gläubigen ihre eigene Glaubenserfahrung ein. Das geht aber nur in der gemeinsamen Auseinandersetzung mit dem Glauben. “Ich glaube” zu sagen bedeutet auch, sich immer wieder neu fragen zu lassen: “Glaubst du wirklich?”, “Was glaubst du?” Wer zur Kirche dazu gehört, beantwortet diese Fragen, vielleicht nicht immer leicht, aber immer gerne, weil der Glaube ein persönliches Anliegen ist.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen