Demnächst
beginnt wieder die Vorlesung “Grundfragen der Dogmatik”. Zu diesem
Bereich hat der Grazer Dogmatiker Bernd Körner ein höchst wertvolles
neues Buch geschrieben: Orte des Glaubens - loci theologici. Studien zur theologischen Erkenntnislehre (Würzburg 2014).
Die
theologische Erkenntnislehre hat ohnedies heute eine schwierige
Aufgabe, denn nach dem herrschenden Vorurteil, wonach zu glauben
bedeutet, nichts zu wissen, ist der Zusammenhang von Wissen und Glauben
problematisch. Wie soll man davon reden, dass man über den Glauben etwas
wissen kann? Und wenn überdies der Glaube eine subjektive Angelegenheit
ist, es also so vielerlei Glauben gibt wie Gläubige, was kein
geringerer als Papst Benedikt XVI. betont hat, wie kann man sich dann
überhaupt über den Glauben austauschen? Bleibt dann nicht alles im
Subjektiven?
Beides
spielt für die christliche Theologie eine Rolle: 1. Christen, zumindest
für katholische kann ich hier authentisch sprechen, halten den Glauben
für eine vernünftige Sache. Der Glaube an Gott ist nicht etwas Absurdes,
sondern auf die Vernunft hingeordnet. Ich kann nur aus freier
Entscheidung heraus glauben, und das nur weil ich das als geistiges,
freies und vernünftiges Wesen möchte. Dazu braucht es auch ein gewisses
Maß an Überzeugung, die aber nur durch Erkenntnis und Erfahrung gewonnen
werden kann. 2. Glaube muss immer auch subjektiv sein, er ist nämlich
die Antwort auf das Wort, dass Gott an mich selbst gerichtet hat. Wenn
ich den Ruf Gottes in meinem Leben nicht spüre oder bewusst zu
verdrängen trachte, kann ich nicht glauben. Über diese Antwort auf den
Ruf Gottes kann ich mich mit anderen austauschen, weil auch sie so etwas
verspüren. Bei der Verkündigung und bei jedem Glaubensgespräch muss ein
Sprung von meinem eigenen, subjektiven Glauben zu einem objektiven
Glaubenswissen gelingen, denn nur darüber kann ich ja reden. Anders
gesagt, ein Glaubensgespräch ist immer ein Gespräch über gedeutete
Erfahrungen.
Damit
ist auch die Funktion der “Orte” und “Räume” des Glaubens klar. Sie
ermöglichen Erfahrungen, die ich allein oder wir gemeinsam machen
können. Wenn wir gemeinsam Orte aufsuchen, dann können wir diese
Erfahrung auch teilen. Die Jünger sind gemeinsam mit Jesus nach
Jerusalem gegangen. Diese Erfahrung des Miteinanderseins der Jünger mit
Jesus ist konstitutiv für die Texte des Neuen Testaments und die Bildung
der frühen Gemeinden. Aus dieser Erfahrung lebt die Kirche bis heute.
Aber nur als einer, der selbst den Glauben erfahren hat, kann ich an
diesem Glauben auch Anteil haben.
Der
einzig mögliche Weg für die Theologie ist also, Orte der
Glaubenserkenntnis aufzusuchen, die Heilige Schrift, die Tradition, die
Kirche, die Geschichte, das Leben, und dort zu fragen, wie sich das
Wirken Gottes in der Welt und an den Menschen zeigt. Nur wenn man eigene
menschliche Erfahrungen im Gespräch so deuten kann, dass sie anderen
verständlich werden, hat Wissenschaft insgesamt einen Sinn. Dann gilt
das aber auch für Glaubenserfahrungen und für die Theologie als
Wissenschaft.
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