Dieser Tage wird einiger Märtyrer gedacht, die von Nationalsozialisten getötet wurden. Am 8. August Edith Stein, die als Karmelitin den Namen Sr. Theresia Benedicta a Cruce trug und als Jüdin in Auschwitz umgebracht wurde; am 13. August Jakob Gapp, der 1943 in Berlin Plötzensee hingerichtet wurde, weil er offen gegen das Regime eintrat; am 14. August Maximilian Kolbe, der 1941 für einen Familienvater in Auschwitz in den Hungerbunker ging und dort starb. Sie und viele andere Priester, Ordensleute und einfache Gläubige sind für ihren Glauben und gegen die nationalsozialistische Ideologie eingetreten und wurden dafür getötet.
Wie aber steht es um das Verhältnis der Kirche generell zum Nationalsozialismus? Oftmals wird heute an diese Glaubenszeugen erinnert. Freilich hat es auch andere gegeben, Kollaborateure oder begeisterte Anhänger des Führers. Und viele haben sich einfach ruhig verhalten. Während für die einen ganz klar Nationalsozialismus mit dem Glauben unvereinbar ist, die Kirchen daher immer als Elemente des Widerstands gesehen werden, behaupten andere, die Kirche habe eigentlich sich den Machthabern angedient, nur eine Minderheit habe Widerstand geleistet, die auch noch von den eigenen Leuten dafür in Gefahr gebracht worden sei. Und für alle Positionen gibt es Belege. Die Fakten sind nicht klar und eindeutig, wie ja auch die Wirklichkeit selten eindeutig ist.
Freilich stellt sich für mich auch noch eine andere Frage. Von welcher Warte aus lässt sich heute beurteilen, welches Handeln richtig gewesen wäre? Wie kann ich heute sagen, was damals ein Bischof, ein Pfarrer oder ein einfacher Katholik hätte tun sollen? Wenn man die einschlägigen Veröffentlichungen liest, entsteht der Eindruck, wir heute wären alle überzeugte Anhänger des Widerstands gewesen und hätten Adolf Hitler in Bausch und Bogen abgelehnt. Aber was wussten die Menschen damals wirklich? Und mit welchem Recht verurteile ich einen Bischof heute, dem damals jemand eingeredet hatte, das Regime sei gut für die Kirche, weil es ja den so gefürchteten Kommunismus bekämpfe? Dass der Kampf gegen die Kirche noch viel schlimmer würde, war nicht für alle vorauszusehen. Und wie soll ich jemandem vorhalten, dass er Sympathie für eine Politik empfand, die ihm mitten in der Wirtschaftskrise Arbeit versprach und brachte, auch wenn damit dann Waffen gebaut wurden?
Mögen diese Zeiten nie wieder kommen. Und ich hoffe, dass ich keiner politischen Verführung erliege, die ein neues Unrechtsregime an die Macht bringt. Es gibt dafür keine Garantie, auch für Christen nicht. Aber zumindest gibt der Glaube einen klaren Weg vor, sich nicht von irdischen Mächten führen zu lassen, denn: “Einer ist euer Führer, euer Führer ist Christus, wenn ihr Ihm die Treue haltet, werdet ihr niemals verloren gehen”, wie der viel geschmähte Wiener Kardinal Theodor Innitzer 1938 sagte.
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