Montag, 14. Juli 2014

Wer glaubt wird selig

Für gewöhnlich verwendet man diese Redewendung, um Menschen als leichtgläubig hinzustellen. Das wahre Ziel ist zu wissen. Wer aber etwas nicht weiß, und es doch glaubt, wenn es ihm gesagt wird, der befindet sich in einem Zustand seliger Dummheit oder auch dummer Seligkeit. Er ist glücklich mit dem, was er zwar nicht weiß, aber trotzdem akzeptieren kann.

Doch ist dieser moderne Alltagssprachgebrauch nicht besonders genau, ja auch nicht richtig. Dabei werden nämlich sowohl der Gebrauch des Wortes glauben als auch des Adjektivs selig verkürzt. Denn glauben bedeutet nicht nur, einen Sachverhalt als richtig annehmen, den ich nicht weiß oder nicht wissen kann. Vielmehr hängt glauben immer mit vertrauen zusammen. Ich kann dir glauben, weil du mir vertrauenswürdig erscheinst. Erst dann kann ich etwas glauben. Und unser ganzes Leben funktioniert nicht, wenn ich nicht willens bin, anderen zu glauben, den Eltern, den Lehrern, anderen Menschen. Das aber ist kein Akt von Schwäche, sondern von Vertrauen und echter Menschlichkeit. An Gott zu glauben heißt, ein Vertrauen in den Ursprung zu haben, der alles trägt. Nur wer solches Grundvertrauen hat, wird auch den Glauben finden. Deshalb sagt die Theologie, der Glaube ist eine Gnade. Er gelingt nur denen, denen es geschenkt ist.

Was selig sein bedeutet, davon lässt sich etwas erahnen in Momenten des Glücks. Freilich lässt sich ein ähnliches Gefühl auch billiger haben, wenn die Stimmung gut ist, gute Emotionen sich entladen konnten, bei Musik oder auch im Alkohol- oder Drogenrausch. Aber diese Seligkeit ist sehr vergänglich. Sie ist am Morgen wieder vorbei. Ihr fehlt die Beständigkeit. Und so kann ich mich zwar über Unwissenheit hinwegtäuschen mit einfachen Botschaften - und viele Diktatoren haben sich dieser Methode bedient, um Menschen zu verführen - aber es wird sehr bald klar, was eigentlich wichtig ist. Und so kann eine Selbsttäuschung auch zu einer Art Glücksgefühl führen, aber es ist kein echtes Glück, sondern ebenso nur ein vorgetäuschtes.

Wer wirklich glaubt, weil er vertrauen kann, der weiß hingegen auch, dass echter Glaube nicht gegen das Wissen steht, sondern zur Versöhnung mit dem Wissen gelangen will und wird. Wer so glaubt, wird auch selig, weil er ein offenes Herz für die Menschen hat. Nur auf die Weise gelangt er zum Guten.

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