Für
gewöhnlich verwendet man diese Redewendung, um Menschen als
leichtgläubig hinzustellen. Das wahre Ziel ist zu wissen. Wer aber etwas
nicht weiß, und es doch glaubt, wenn es ihm gesagt wird, der befindet
sich in einem Zustand seliger Dummheit oder auch dummer Seligkeit. Er
ist glücklich mit dem, was er zwar nicht weiß, aber trotzdem akzeptieren
kann.
Doch
ist dieser moderne Alltagssprachgebrauch nicht besonders genau, ja auch
nicht richtig. Dabei werden nämlich sowohl der Gebrauch des Wortes
glauben als auch des Adjektivs selig verkürzt. Denn glauben bedeutet
nicht nur, einen Sachverhalt als richtig annehmen, den ich nicht weiß
oder nicht wissen kann. Vielmehr hängt glauben immer mit vertrauen
zusammen. Ich kann dir glauben, weil du mir vertrauenswürdig erscheinst.
Erst dann kann ich etwas glauben. Und unser ganzes Leben funktioniert
nicht, wenn ich nicht willens bin, anderen zu glauben, den Eltern, den
Lehrern, anderen Menschen. Das aber ist kein Akt von Schwäche, sondern
von Vertrauen und echter Menschlichkeit. An Gott zu glauben heißt, ein
Vertrauen in den Ursprung zu haben, der alles trägt. Nur wer solches
Grundvertrauen hat, wird auch den Glauben finden. Deshalb sagt die
Theologie, der Glaube ist eine Gnade. Er gelingt nur denen, denen es
geschenkt ist.
Was
selig sein bedeutet, davon lässt sich etwas erahnen in Momenten des
Glücks. Freilich lässt sich ein ähnliches Gefühl auch billiger haben,
wenn die Stimmung gut ist, gute Emotionen sich entladen konnten, bei
Musik oder auch im Alkohol- oder Drogenrausch. Aber diese Seligkeit ist
sehr vergänglich. Sie ist am Morgen wieder vorbei. Ihr fehlt die
Beständigkeit. Und so kann ich mich zwar über Unwissenheit
hinwegtäuschen mit einfachen Botschaften - und viele Diktatoren haben
sich dieser Methode bedient, um Menschen zu verführen - aber es wird
sehr bald klar, was eigentlich wichtig ist. Und so kann eine
Selbsttäuschung auch zu einer Art Glücksgefühl führen, aber es ist kein
echtes Glück, sondern ebenso nur ein vorgetäuschtes.
Wer
wirklich glaubt, weil er vertrauen kann, der weiß hingegen auch, dass
echter Glaube nicht gegen das Wissen steht, sondern zur Versöhnung mit
dem Wissen gelangen will und wird. Wer so glaubt, wird auch selig, weil
er ein offenes Herz für die Menschen hat. Nur auf die Weise gelangt er
zum Guten.
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