Sonntag, 9. April 2023

Sprachlosigkeit am Ostermorgen

Ostersonntag, 9. April 2023


O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas gegeben, sodass Gott ihm etwas zurückgeben müsste? Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen. (Röm 11,33-36)


Sprachlosigkeit am Ostermorgen. Die Frauen sind bestürzt und können nicht fassen, dass ihr Jesus nicht mehr da ist. Sogar der Leichnam ist ihnen genommen. Erst die Botschaft des Engels hilft ihnen, das Mysterium zu sehen: Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Er ist nicht hier, sondern bei den Seinen. Niemand kann das Mysterium verstehen, aber alle können sich die Erkenntnis von Gott schenken lassen, wie die Frauen, die ersten Zeuginnen der Auferstehung. Jesus ist wahrhaft auferstanden! Halleluja!

Samstag, 8. April 2023

Die Überwindung des Todes

Karsamstag, 8. April 2023


Denn wie ihr einst Gott ungehorsam wart, jetzt aber infolge ihres Ungehorsams Erbarmen gefunden habt, so sind auch sie infolge des Erbarmens, das ihr gefunden habt, ungehorsam geworden, damit jetzt auch sie Erbarmen finden. Denn Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen. (Röm 11,30-32)


Tag der Grabesruhe, scheinbar hat der Tod den Sieg davongetragen. Gottes Weg ist anders. Jesus ist den Weg der Verurteilten gegangen, um sich mit den Schuldigen zu solidarisieren. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Gott ruft seinen Sohn wieder ins Leben. Das Erbarmen zeigt sich dort, wo die Trauer besonders groß ist. Aus dem Tod entsteht das Leben. Das ist die stille Freude des Karsamstags.

Freitag, 7. April 2023

Heiliges Kreuz, du Siegeszeichen

Karfreitag, 7. April 2023


Ist aber die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist es auch der ganze Teig; und ist die Wurzel heilig, so sind es auch die Zweige. Wenn aber einige Zweige herausgebrochen wurden, du aber als Zweig vom wilden Ölbaum mitten unter ihnen eingepfropft wurdest und damit Anteil erhieltest an der kraftvollen Wurzel des edlen Ölbaums, so rühme dich nicht gegen die anderen Zweige! Wenn du dich aber rühmst, sollst du wissen: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich. (Röm 11,16-18)


Der Karfreitag erinnert daran, dass der Glaube auch dunkle Momente kennt. Der Weg zur Auferstehung führt nur über das Kreuz. Lange Zeit wurden “die Juden” zu Unrecht pauschal für den Tod Jesu verantwortlich gemacht. Generationen von Juden mussten darunter leiden bis zur Judenvernichtung durch die Nationalsozialisten. Jesus nimmt das Kreuz an und solidarisiert sich mit den Armen, Leidenden, Ausgegrenzten und unschuldig Verurteilten. Das Kreuz ist ein Zeichen der Versöhnung, der Überwindung von Hass. Es macht bewusst, dass wir im Glauben von Gott getragen sind.

Donnerstag, 6. April 2023

Die Erfahrung der Gemeinschaft mit Jesus

Gründonnerstag, 6. April 2023


Ebenso gibt es auch in der gegenwärtigen Zeit einen Rest, der aus Gnade erwählt ist – wenn aber aus Gnade, dann nicht mehr aufgrund von Werken, weil sonst die Gnade nicht mehr Gnade wäre. (Röm 11,5-6)


Warum bin ich in dieser Kirche, wenn sie für so viele andere wenig Bedeutung hat? So fragen sich viele Gläubige. Andere wollen sich von der Gesellschaft abgrenzen und verstehen das biblische Wort vom Rest, den Gott erwählt, exklusiv. Aber der Glaube und die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen sind Geschenk, Gnade und sollen mit anderen geteilt werden. Am Gründonnerstag feiern wir, dass Jesus uns zum Mahl einlädt, weil er Gemeinschaft mit uns Menschen haben und uns erlösen will.

Mittwoch, 5. April 2023

Alle sind zum Glauben berufen

Mittwoch der Karwoche, 5. April 2023


Denn darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen. Denn alle haben denselben Herrn; aus seinem Reichtum beschenkt er alle, die ihn anrufen. Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. (Röm 10,12-13)


Christinnen und Christen aus dem jüdischen Glauben und andere, das sind für Paulus alle Menschen. Jesus ruft sie alle in seine Nachfolge. Niemand hat einen Vorzug, sei es durch Herkunft, Hautfarbe, Stand oder irgendwelche Leistungen. Niemand kann sich die Rettung selbst erwerben. Sie ist ein Geschenk aus dem göttlichen Reichtum. Jesus allein kann Dich zum Heil führen.

Dienstag, 4. April 2023

Herz und Mund

Dienstag der Karwoche, 4. April 2023


Nahe ist dir das Wort in deinem Mund und in deinem Herzen. Das heißt: das Wort des Glaubens, das wir verkünden; denn wenn du mit deinem Mund bekennst: Herr ist Jesus - und in deinem Herzen glaubst: Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du gerettet werden. (Röm 10,8-9)


Beides soll zusammenkommen, Herz und Mund, Emotion und Zeugnis. Nur so erreicht der Glaube seine Fülle. Die Karwoche hat viel Raum für emotionale Bewegung. Wir gehen mit Jesus den Kreuzweg, damit wir uns mit ihm von Gott auferwecken lassen können. Die Karwoche stärkt das Bewusstsein, dass der Glaube den Menschen existentiell und ganz angeht.

Montag, 3. April 2023

Glauben hier und heute

Montag der Karwoche, 3. April 2023


Die Gerechtigkeit aus dem Glauben aber spricht: Sag nicht in deinem Herzen: Wer wird in den Himmel hinaufsteigen? Das heißt: Christus herabzuholen. Oder: Wer wird in den Abgrund hinabsteigen? Das heißt: Christus von den Toten heraufzuführen. (Röm 10,6-7)

Gott ist weit weg, spielt keine Rolle in meinem Leben, gibt es überhaupt nicht – so meinen manche und noch mehr leben so. Der Glaube soll hier und heute gelebt werden, in unserer Gesellschaft, in dieser Welt. Wer ihn anderswo sucht oder dorthin abschieben will, hat das Wesentliche nicht verstanden. Das Reich Gottes wird dort verwirklicht, wo ich der Schwester, dem Bruder begegne, so wie Christus das von mir will.

Sonntag, 2. April 2023

Hosanna und Kreuzige ihn

Palmsonntag, 2. April 2023


O Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Sagt etwa das Werk zu dem, der es geschaffen hat: Warum hast du mich so gemacht? Ist nicht vielmehr der Töpfer Herr über den Ton? Kann er nicht aus derselben Masse ein Gefäß herstellen zu ehrenhaftem, ein anderes zu unehrenhaftem Gebrauch? (Röm 9,20-21)


Am Palmsonntag beginnt die Karwoche. Er erinnert daran, wie in kurzer Zeit die Stimmung Jesus gegenüber sich von den fröhlichen Hosanna-Rufen zum Kreuzige ihn! gewandelt hat. Was sagen wir zu Gott? Wie gehen wir mit dem um, was er uns schenkt, mit der Schöpfung, mit uns selbst, mit unseren Talenten und Schwächen? Gott möchte mein Vertrauen, dass er es gut meint mit mir. Das ist nicht immer leicht, aber es tut gut, wenn es mir gelingt.

Samstag, 1. April 2023

Das Geschenk der Gnade

Samstag der 5. Fastenwoche, 1. April 2023


Was sollen wir nun sagen? Handelt Gott ungerecht? Keineswegs! Denn zu Mose sagt er: Ich schenke Erbarmen, wem ich will, und erweise Gnade, wem ich will. Also kommt es nicht auf das Wollen und Laufen des Menschen an, sondern auf den sich erbarmenden Gott. (Röm 9,14-16)


Im ersten Moment wirkt es willkürlich: Gott schenkt sein Erbarmen, wem er will. Bevorzugt er damit nicht die Einen und benachteiligt die Anderen? Das ist zu kurz gedacht. Wenn Gott die Gnade frei verschenkt, dann kommt es nicht auf die persönliche Leistung an. Gott wendet sich denen zu, die seine Liebe brauchen. Wenn ich das weiß und mir bewusst bin, dass ich auch zu denen gehöre, dann kann ich im Vertrauen auf Gott meinen Weg gehen.